Machdeburjer
Kodderschnauze

„Ekel Alfred vom Elbestrand“ zieht Woche für Woche im Generalanzeiger flapsig über das Geschehen in Magdeburg her. Auf dieser Seite gibts alle Folgen zum Nachlesen. Kontakt unter: machdeburjer@kodderschnauze.de

 
 
17.9.2017
Ach Jottchen, een Kopp kürzer
Juten Tach Kinnings,
Jiselher Quast war mich lieber. So als Dompredijer. Bei dem hast du immer jewusst, dass der jegen alles ist, was jejen seinen Dom jeht. Also jejen Licht, jejen Krach, jejen Miniröcke, Kirchenmäuse und jejen Jitarren im Jotteshaus. Und jejen Jotteslästerung. Da war der mit seinem Kantor (also den, den die Jottlosen in aller Herrjottsfrühe jerne den jnatzijen Barry nennen) immer een Herz und eene Seele. Aber seit dieser Wetterfrosch den Job vom Quasti jeerbt haben tut, jibs da so een jottloses Rumjeeiere, fast wie im Uffsichtsrat von Volkswaren. Hat unsere Tareszeitung doch den Uhle-Wettler Ulepingsten (*1) jefrart, was er in Jottes Namen vonner Kultur uffn Domplatz halten tut. „Ne janze Menge“, war die Antwort. Um Jottes Willen, ich war baff (*2)! 

Bei „Fanta 4“ hat er sojar janz privat abjerockt als wär’ der Leibhaftije hinter ihm her. Herrjottnochmal, hätte er das nicht für sich behalten können. Mein janzes Vorurteil vom Dom – völlich uffn Kopp jestellt! Und Uhlchen-Wettler ist och noch een Kopp kürzer. Handjeköppt vom jallijen (*3) Barry. Und als er noch nichemal jejen das Musical uffn Domplatz jewettlert haben tut, schmiss ihn der kernije Kantor jleich janz übern Jordan. So schnell jeht das! 

Wenigstens fand der coole Uhle den Bauzaun um das janze Theater hässlich. Rettet ihn aber ooch nicht vor Barrys Zorn. Ich jloobe, vor lauter Wut im Bauch hat der Orjanist den Zeitungsbericht denne nicht mehr bis zum Ende jelesen. Besser so, denn da hat sich unser Dompedijeer doch Tatsache als Schauspieler fürs nächste Sommertheater beworben, wenn se „Jesus Christ Superstar“ spieln: „Da könnte ich ja die Einführung geben.“ Entweder Barry liegt seitdem mit Schnappatmung im Kreuzjang umme (*4) oder er besteht uff Jleichbehandlung – und will die Rolle als Kapellmeister beim Musical. Nun weeßte, warum im Dom jelejentlich die Fenster virbrieren: Immer denne, wenn een Dompredijer een Kopp kürzer jemacht wird.

Die schlaue Sandra Yvonne sollte balle mit den Kirchenmäusen anbändeln. Vielleicht verraten die ihr, wann die Hahnenkämpfe jenseits der Paradiespforte loofen tun. Sandra macht denn een Handy-Video, postet es ins Internet und schwupps, will halb China live dabei sein. Denn jehts mit die Übernachtungszahlen noch weiter steil nach ohm. Ins letzte halbe Jahr jabs plus 6,5 Prozent für Sachsen-Anhalt. So ville Prozente hatte keen anderer. 

Aber da jeht noch mehr: Zum Beispiel in Holland. In keener anderen Stadt haste als Radfahrer so ville Freiheiten wie bei uns. Hier kannste mit deiner Drahtzicke (*5) uff Fußwejen rasen, was deine Quanten (*6) herjeben. Du kannst links fahren, musst keene Flosse (*7) raushalten oder absteijen, wenn der Jehwech voll wie’s Allee-Center Samstag namiddach (*8) ist. Inner Zeitung stand: Radfahrer können inner Ottostadt machen was sie wollen. Interessiert keene Sau, nicht mal Pro M. Denn das Ordnungsamt darf die Rüpel-Radler nicht anne Kandarre nehmen, die Polente kann nicht. Unser Dollbräjen (*8) Lutze hat desderwejen dem Stahlknecht vorjeschlaren, den Ordnungsdienst uffzulösen und ihn bei die Polizei rinzuhaun. Fand der Stahli jar nicht lustig: „Unrealistisch“, hat er sich in seinen jejelten Bart jebrabbelt. 

Von mich aus: Ich koof ich mich jetzt ooch son Ding und fahr mits Rad nach Stadt. Schneller als die Polizei erlaubt.

Kodderschnauzes Lexikon
*1) Ulepingsten - irgendwann
*2) baff sein – überrascht sein
*3) jallisch sein – gallig (sauer) sein
*4) ummeliejen – umliegen
*5) Drahtzicke - Fahrrad
*6) Quanten - Füße
*7) Flosse - Hand
*8) Dollbräjen – Oberster, Chef, Alleskönner, toller Typ

20.8.2017
Vollbeschäftijung bei die Polente
Juten Tach Kinnings,
sojar unser jeliebter „Barleber“ jibt sich janz jroße Mühe, Sachsen-Anhalt aus die Klemme zu helfen. Das Badeloch im Osten produziert eene Blaualje nach der andern. Kommt ehm fast so vor, als will der See Holjer Stahlknechts Problem uff natürliche Weise lösen. Aber der „Barleber“ hat ja nur Wasser im Bauch und deshalb keenen Jrips – desderwejen kann der nicht wissen tun, dass man sich aus fumfzich Blaualjen keenen Blaurock basteln kann. Wär’ ooch zu schön, wenn sozusaren aus’m See ibbern Herbst 700 blaue Polizisten steijen würden. Doch so einfach ist die Welt nicht. Unser Stahli hat das blitzjescheit erkannt und dem Finanzminister 270.000 Euro ausm Kreuze jeleiert. Nicht etwa für neue Polizisten. Nee, für ne Reklame-Kampagne für neue Polizisten.

Seit paar Taren kannste lesen, dass unsere Polente nicht mehr nach böse bBuben fahndet, sondern nach knackije Kollejen. Steht so uff die jrößten Fahndungsplakate, die die Welt je jesehen hat. Keen Wunder, dass der Stahli uff Tempo drückt: „Unsere Polizei läuft 2017 und 2018 noch auf Felgen!“ Ich weeß ja nicht, woruff die Polizei loofen tut, wenn ooch die Feljen wech sind. Aber es muss jerade soweit sein, denn der Stahli hat sich verquasselt und erzählt, dass alleene 150 Landespolizisten jerade Vollbeschäftijung damit ham, dass sie Jenehmijungen fürs Uffbammeln von die Werbebanner inholen. Keen Wunder, dass man außerhalb vons Stadion keenen Polizisten mehr zu Jesichte kriejen tut.

Das ist fast wie bei den Verwaltungsrichtern. Die hocken ooch nur noch hinter ihren Aktenberjen und keener tut sie mehr sehen. Die loofen zwar nicht uff die Feljen, aber bei die „knarzt es an allen Ecken und Enden“. Hat jedenfalls der Dollbräjen vom Bund Deutscher Verwaltungsrichter jemurmelt. Alleene in Sachsen-Anhalt ham die mit 200.000 Asylverfahren doppelt so ville wie letztes Joahr. Bei halb so ville Richter.

Die Personalfrare wird iberall immer brenzlijer. Merkste, ejal wo du hinkommst. Letztens wollte ich mit meiner Anjetrauten sonntachs jejen Nachmittach was Warmes im Steakhaus am Schleinufer rinschaufeln. Du jloobst es nicht – aber der grosso Torro hat uns doch jlatt die Düre vor die Nase zujekracht. „Küchenschluss!“ Uffn Sonntach am Elbufer! Dasselbe ins neue Eis-Café direkt am Kaiserbahnsteich. Da war der Koch ooch schon abjedampft und hatte nur kalten Kuchen dajelassen. Oder letztens bei die Musikbambule am Fluss. Weil keene Sau im Steakhau spätabends noch Bock uff Bierzappen hatte, machte es eene Stunde vors Losjehn von „Riverside @ Night“ die Schotten dichte: „Keen Personal.“ Is also nicht nur bei der Polente so.

Da kannste nur hoffen, dass wenigstens die Tiefbau-Chefs noch jenuch Leute für die jroßen Uffjaben der Zukunft ham. Bis 2030 pulvert das Land 66 Millionen Euro für den Bau von neuen Radwejen quer und kreuz durchs Jelände raus. Als Freund vons Flitzepeh musste womöchlich am Ende noch selber mit anpacken, damit du die weiten Weje übers Land ooch machen kannst.
Da hat’s so eener wie Rolfi Onnen besser. Der sitzt als Machdeburjer Brücken-Baron uff nem joldenen Schrott-Schatz. Mit die Hubbrücke, die Kanonenbahnbrücke und die Taube-Elbe-Brücke im Winterhafen hat ihm unser Lutze vor paar Joahren drei Ibberjänge uffjehuckt. Rolfi hat zujeschlaren, damit er die Joldjrube Elbbahnhof bebauen kann. Für die drei Brücken hatte er da wenich Zeit – und so sind sie schön vor sich hinjerostet. Aber Rolfi war schlau wie’n Fuchs. Er wusste: Wenn die Brücken so in dutten sind, dass sie ne Jefahr für alle wern, denn hilft der Papa. Also Vater Staat. Könnte mit die Kanonenbahn balle so weit sin. Da kannste doch heilfroh sein, dass der Lutze dem Rolfi nicht siem Brücken jeschenkt hat ...

13.8.2017
Rainer Müll trifft Marie Juana - anner Haltestelle
Juten Tach Kinnings,
Sachsen-Anhalt macht krank. Tach for Tach laren ins erste Halbjahr 5,7 Prozent von Hasis Anjestellten-Armee umme wie tot. So kränklich ist keen anderer in Deutschland. Nicht mal in Baden-Württemberch, wo se ja wejen die Schummeldiesel in jeder Jroßstadt schon Schnappatmung kriejen tun. 4,3 Prozent – so sieht een anständijer deutscher Durchschnitt aus. 5,7 bei uns – muss ja Jründe haben, warum ins Hasiland (*1) so ville nicht mehr japsen (*2) und keenen Zipp saren können. Der Sachsen-Anhalter bufft (*3), dass die Schwarte kracht und ihm die Bläke außen Halse hängt (*4). Und uff eemal fallen se um wie die Fliejen und liejen Schachmatt uffs Bette. Die können ja nicht alle wejen die Eier aus Holland oder die Blaualjen vom Barleber uffs Krankenlarer jekracht sein.

Vielleicht sind die ja nicht so uffn Posten wejen die mickrije Verlohnung hier inner Jejend. Man jerade 2.408 Euronen drücken se jedem Sachsen-Anhalter (im Durchschnitt) nach eenem Monat Puckelei inne Hand. Een Hungerlohn! Nur die MacPommer kriejen noch wenijer. Aber die können wenigstens angeln jehen oder sich von die jute Seeluft satt atmen. Und unsereiner, was macht der? Sich uff der Stroaße der Romanik den Atem der Jeschichte rinschaufeln? Macht nicht satt, aber schlau. 

Bisschen besser ham es da die Hallenser – bei die kommen am Monatsersten 2.715 Euros inne Tüte. Das sind balle 300 mehr – na dafor kannste mit’m Pillendreher deines Vertrauens doch was Jutes fürs Wohlbefinden aus-händeln.

Aber im Rest von Rainers Ranch ribbeln (*5) sich die Leutchens von früh bis spät ab, krauchen aber trotzdem uffn Zahnfleisch. Mich wundert das ja nicht: In eenem Land, wo 41 Prozent der Anjestellten in Teilzeit, als Leiharbeeter oder Minijobber rumjurken müssen tun, na da kannste von die ooch keene jroßen Sprünge erwarten. Mein Nachbar will jetzt die rumänische Staatsbürjerschaft beantraren und an Moritzplatz ziehen ... Das passt zu ihm; der ist jerne lange munter, sehr kinderlieb und hat Jeschmack beim Dekorieren von Fußwejen und Blumenrabatten mit Retro-Krams.

Ich for mein Teil bin immer schon zufrieden, wenn irjendwo inner Stadt überhaupt noch een Schornstein roochen tut. Und Jott sei Dank ham wir inne fuffzijer Joahre Otterslehm injemeindet. Seit letzte Woche wird mich bewusst, wie wichtich das war: Heute brennt in Otterslehm die Luft. Und zwar inne Linienbusse vonne MVB. Schon zweie jingen da in Flammen uff. Wie von Jeisterhand. Wenn rauskommt, dass die Autobauer uff diese Art ihre Diesel-Abwrackprämie insparn wolln, also denn jibs een Bärnhalloh (*6). 

Da sind mich die Flammen der Liebe aber libber, die da jerade bei die Schlagerei im Allee-Center jeträllert wern. Bei „Schlagerwelten“ lodert der Schmalz, dass du dich damit ne Fettbemme schmieren könntest. Apropos schmieren. Seit letzte Woche wissen wir dank Ikea, dass man sich in Machdeburch jederzeit ne eijene Haltestelle bauen kann. Hauptsache, du rendelst jenuch Zaster an Birjits klamme Münsterei - und schwupssdiwupps kannste dein eijenes Namenschild ans Wartehäuschen nareln. Ich freu mich schon uff den Tach, an dem entweder Klara Geist oder Rosa Höschen, Marie Juana oder Rainer Müll, Axel Schweiß oder Niko Thyin bei die MVB ankloppen tun ...

Kodderschnauzes Lexikon:
*1) Hasiland – anderer Begriff für Sachsen-Anhalt, in Anspielung an MP Haseloff
*2) japsen - atmen
*3) buffen .- schwer arbeiten
*4) die Bläke ausm Hals hängen – die Zunge hängt aus dem Hals
*5) man ribbelt sich uff – man engagiert sich bis zur Erschöpfung
*6) denn jibs Bärnhalloh – dann gibt es großen Ärger
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6.8.2017
Das Volks-Trümpolin
Juten Tach Kinnings,

was fällt eenem als erstes uff, wenn man ausm Urlaub zurück inne Ottostadt kommt? Jenau: Baustellen. Iberall Baustellen. Nicht die, bei die Barrikaden ums Loch stehn und man mit seinem Schummel-Diesel fünfmal um Dom karriolt, nur um ans andere Ende vons Karree zu kommen. Jemeint sind die Baustellen für unsern Dollbräjen (*1). Wohin du ooch gucken tust – jeder macht jerade den Lutze für seinen Weltschmerz verantwortlich. Hat denn jar keener mehr Rejatt (*2) vors Amt? Wenn ihm nun sojar schon die eijenen Soldaten uffe Nase rumhertanzen, als wär der erste Schnurpel (*3) der Stadt een Volks-Trümpolin, denn bleibt mich die Spucke wech. Das braucht der sich nicht zugefallen zu gelassen.

Am Hassel z.B- buddelt zwar keener, aber ne Baustelle ist das trotzdem. Jedes Wochenende Flüssijes inne Hausflure, Theater uff’n Platz und wecke, die andern Hucke vollhaun (*4). Kalle Erhardt, Chef von Lutzes Hafen GmbH, hat seine Butze (*5) am Rüpel-Rondell und nun die Faxen dicke. Keene Nacht kann der mehr in aller Seelenruhe uff seiner Matratze ankern. Zu keenen klaren Jedanken ist der abends inner Falle fähig. Wo der doch jerade mits Weinjlas und nez Zijarre Eteputete (*6) uffn Balkon nachdenken will, wie er in seinem letzten Hafenjahr den Jewinn von eene Mille verdoppeln kann. Bei dem Lärm aber ist sojar so’n Wunderknabe wie Kalle schwer von Kapeh (*7). Da hilft ooch keene Jumminastik (*8) ans offene Fenster. Deshalb will der Kalle jedes Wochenende in fremde Häfen inloofen. Um uff andere Jedanken zu kommen so ruhig wie möglich. Die Rechnung soll der Lutze bezahlen, weil der ja nix für Ruhe am Kaoten-Kreis machen tut. Der Kalle ist also seit Freitach im Maritim an Bord. Ich jloobe, der verpennt da seine janzen kluren Ideen.

Wenn Kalles Auswärtsschlaf jetzt Schule machen tut, denn könnte balle Schischo (*9) für alle jroßen Baupläne vom Lutze sein. Statt Baurechnungen für Hyparschale, Strombrücke und Kitas müssen ja Hotelbetten bezahlt wern. Ich weeß nicht, wie ville Leutchens noch um Moritzplatz ausharren, denen bei Inbruch der Dunkelheit die Ohren schlackern. Wenn die alle wie Hafen-Kalle ins Hotel ziehen, denn ist ne neue Bauwelle inner Trümperei zu erwarten: Bettenburch statt Brückenschlach, Herberjen statt Pflegeheime!

Ooch die Juericke-Jenossenschaft wird denn für ihre SB-Bilderjalerie am Südabschnitt Wachschutz und Stacheldraht beantraren. Wenn Trümpers Truppen nicht in der Lare sind, die Klauerei zu verhindern, denn muss die Stadt eben zahlen! Und warum sollten nicht die Stadtpark-Jogger und –Radler ihre Schutzbrillen-Rechnungen im Bürjermeesterbüro abjeben dürfen? Können doch nix davor, dass ihnen jeden Abend Milliarden Zuckmücken in dicken Schwärmen umme Rübe surren. Tut der Lutze ja ooch nicht jejen machen.

Meinst, das klappt nicht? Warum nicht, klappt doch in Ottersleben ooch: Da zahlt die Stadt die Reparatur für die demolierte Eichplatzuhr. Allebonnehr! (*10) Wer am Eichplatz nüscht gegen böse Buben unternimmt und zahlt, der muss das doch an Hassel- und Moritzplatz ooch tun. Wenn nicht, dann muss er mich das mal verplausibeln (*11).

Kodderschnauzes Lexikon:
*1) Dollbräjen – Alleskönner, Oberster, in diesem Fall OB Lutz Trümper
*2) Rejatt haben - Respekt haben
*3) Schnurpel – Nase
*4) Hucke vollkriejen – Prügel bekommen
*5) Butze – kleine Wohnung
*6) Eteputete – vornehm
*7) Schwer von Kapeh –  schwer von Begriff sein
*8) Jumminastik – Gymnastik
*9) Schischo – Aus, Schluss, Vorbei
*10) Allebonnehr – „à la bonne heure“ - ein Ausruf der Anerkennung
*11) Verplausibeln – plausibel machen
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16.7.2017
Wie die Karnickel
Juten Tach Kinnings,

wie die Karnickel treibts der Machdeburjer. Stadtlutze kann een Lie davon trällern – der weeß schon jar nicht mehr wohin mit die janzen Bäljer (*1). Die Kinderjärten – voll bis unters Dach. In mancher Jrundschule jehn se schon zum Lernen inne Besenkammer. Na loro, dass es nun ooch beim Personal enge wird. So schnell kann sich nich mal Bildungsministerchen Marco Tullner Volksbildhauer (*2) schnitzen. Und schon jar nicht die Menge. Nebenbei bemerkt: Noch nie blieben so ville von die Kakse (*3) inner Jrundschule backen (*4) wie heutzutare. Am Umfassungswech dreht jeder zweete Schüler ne Ehrerunde, wie das heute heißen tut. Sitzenbleiber nennt man jetze „Verweiler“. Klingt zwar ville besser, ändert aber nix an der Tatsache, dass immer mehr Krabben (*4) anner Jrundschule ne Weile länger bleiben tun. Unser Bürjermeester weeß sich keenen Rat mehr – außer paar jute Kumpane von früher anzubetteln. Beim blau-weißen Peter hat das schon mal jeklappt. Der Clubpräsi hat Präser (*5) innen Fanshop jeschmuggelt. „Erst stehen, dann hüppen“ ist uffjedruckt oder „Stoßstürmer“. Krügels Kerle sind damit injenordet – von die zieht keener mehr blank. 

Von Übersee eilt ooch Hilfe per Kahn herbei. Bananenbauern aus Honduras entsenden janz jftije Spinnen inne Trümperei. Erst letzte Woche landete eene bei paar Rentnern in Stendal. Dumm jelofen, denn eijentlich sollte die Kiste nicht bei Aldi am Stadtsee, sondern bei Koofland im Schlachthof anlanden. Beim Anblick der Spinnen wär’n die Machdeburjer Jungfrau in Scharen aus der Stadt jeflüchtet.

Hasis Landesrejierung tut sich ooch mächtich ins Zech lejen, um den Leuten die Lust am Kinderkriejen zu nehmen. Von die 25.000 Beamten droht seit letzte Woche keene Jefahr mehr. Die kriejen balle Schweißausbrüche von die ville Arbeet statt vom Rumjuckeln. Ab 2018 dürfen die erst mit 67 in Rente jehen – da ist so ville zu tun, dass keene freie Minute Freizeit mehr bleiben tut. Die Haldensleber Vorzeijebeamten ham diese Woche bewiesen, dass sie vor Arbeet nicht mal mehr aus die Ooren (*6) gucken könn. Das Rathaus verschickt Jebührenbescheide über 56 Cent an Jrundbesitzer –Umlare für die Jewässerpflege Untere Ohre. Zuzüchlich 3,37 Euro Verwaltungsjebühr. Muss sich ja lohnen.

Wäre vielleicht ooch ne Idee für unsern Schunkelsender. Weil immer wenijer Männeckens in Mitteldeutschland leben, muss der MDR bis 2020 45 Mille insparn. Wie wär’s, jeden zweeten Tach een Rundfunkjebührnbescheid zu verschicken; jedesmal mit fett Uffschlach für die Verwaltung. So kommste zu was.

Ob das ooch een Jeschäftsmodell für die MVB sein könnte? 1,1 Million Fahrjäste 2016 wenijer als Jahr dardavor. Heißt: Ville wenijer Innahmen und nun höhere Fahrpreise. Die müssen dringend anner Schraube dranrumfurwerken (*7). Könnten doch ihr Jleisbett untervermieten. Wer flink wie’n Sankra (*8)  durch die Stadt brettern will, darf – jejen Jebühr versteht sich - uffe Jleise rumkarriolen (*9).

Kodderschnauzes Lexikon:
*1 – Bäljer – Balg/Kind
*2 – Volksbildhauer - Lehrer
*3 – Kakse – kleine Kinder
*4 – Krabben - Kinder
*5 – Präser – Präservativ/Kondom
*6 – Ooren - Augen
*7 – dranrumfurwerken – an etwas herumdoktern
*8 – Sankra - Sanitätskraftwagen
*9 – rumkarriolen - herumfahren
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9.7.2017
Die Formel für „1 Puhl“
Juten Tach Kinnings,

in Halle karriolen (*1) die Busse vonne Verkehrsbetriebe nicht als Linie x, y oder z rumher, sondern die ham richtije Namen. Händel-Bus zum Beispiel und neuerdingens sojar „Peter-Sodann-Bus“. Uffn ersten Blick dachte ich mich: Jute Idee, die murkeln (*2) da nicht lange rumher, die machen einfach so piepeleichte (*3) Sachen. Würden mich für Machdeburch uff Anhieb ooch paar Namen infallen: Tele-Taxi (fürs Telemännchen), Kurel-Karre (für Juericke), Kaiser-Kiste (Kaiser Otto), Pölitz-Paradewaren, Scheidemann-Schaukel, Puhle-Popel, Zimmermann-Zicke, Trümper-Tschunke oder M.R.-Mini-Renner (für Münster-Rendell). 

Doch kaum hatte ich den Jedanken zu Ende verhackstückt, hab ich ihn schon willer sausen lassen. Ich hoffe janz dolle, dass keener aus die MVB-Chefetage das hier lesen tut. Nicht, dass die Tatsache so jewieft (*4) sind und echt ihrem Bussen Namen jeben tun. Denn ham die doch jleich ne Bejründung für die nächste Preisanpassung.

Da halt ich’s libber mit dem jrößten Jeizkraren der Stadtrejierung. In Schulkreisen ham se fürs kanusrige Professorchen schon eene Formel ausklamüsert. Lehrer stellen inner 5. Klassenstufe ab sofort die Frare: „Was ist een Puhl?“ Richtige Antwort: Der Zeitraum zwischen zwei ablehnenden Mails an den Stadtelternrat. Aber ob der Puhle echt so gnitschig (*5) ist wie die Woche inner Zeitung stand? Lumpije 46,93 Euro hat das Professorchen dem Stadtelternrat diesjahr jejönnt. Davon konnten die man jerade so eene Druckerpatrone und paar Blätter Papier beim Tedi insacken. Keen Wunder, dass die die Faxen jetzt dicke ham und inner Zeitung jejenanmeckern (*6). 

Wahrscheinlich kann Matze Puhle jar nüscht dafür. Lutze wird ihm jesagt ham, er soll sich das bei Stadtjarten-Simonchen mal abgucken. Die kann sparen. Da bleibt dich die Spucke wech. Der ist ooch piepschnurtzejal (*7), ob Ottos 33 Brünnlein fließen oder nicht. Wenn sich keen Kleen-Doofi (*8) findet, der den Zaster fürs Wasserjeld rausrücken tut, denn bleibt der eene oder andere Brunnen ehm trocken. Wie Spirelli anner Elbuferpromenade. Wahrscheinlich zahlt’s Trümperchen am Jahresende ne fette Prämie an alle, die mit ihre Budgets spuckebillich (*9) rumwurschteln. Weeßte Bescheid, warum der Nitsche schon lange keene jroße Wirtschaft um seinen Krams mehr macht ...

Vielleicht tue ich Lutzes Sparkameraden ja ooch unrecht. Am Ende sparn die womöchlich nur für die jaaaanz wichtijen Dinge der Stadt. Zum Beispiel für Wigberts etwas zu jroß jeratene Standuhr uffn Eichplatz. Kaum hatte der Otterslehmer Heimatverein das Jehäuse janz neu jemacht, schon kommt so een Stockedoofer (*10) umme Ecke und donnert wien Ochse uff die Scheibe rumher, das nun alles in Dutten ist. Jetzt sind die vom Stadtrand miesepetrich (*11) druff wie nach drei Tare Rejenwetter zum Heimatfest. Vielleicht sollten se sich uffn Eichplatz ne Wasseruhr zurechteschustern (*12). Da könnte das Simonchen mit Sponsoren aushelfen.

Kodderschnauzes Lexikon:
*1 – karriolen - fahren
*2 – rummurkeln – etwas ziellos machen
*3 – piepeleicht – sehr einfach
*4 – jewieft sein – sehr schlau/clever sein
*5 – gnitschig – geizig/sparsam
*6 – jejenanmeckern – etwas kritisieren
*7 – piepschnurtzejal - gleichgültig
*8 – Kleen-Doofi – naiver Mensch
*9 – spuckebillich – sehr preiswert
*10 – stockedoof – dumm
*11 – miesepetrich – schlecht gelaunt
*12 – zurechteschustern – etwas schnell zusammenbauen

2.7.2017
Otterslehm ersäuft in Kummer
Juten Tach Kinnings,

das is doch keen Sommer nich. Unsre Kahle (*1) hockt vor die Flimmerkist, zieht sich das hunderste Mal „Bibi und Tina“ rin und tut Däumchen drehn. Selbst uffs „Machdeburjer Lied“ hat se keenen Bock mehr. Wundert Dich das? Miche niche: Wenn es seit Taren Bumskeilen rejnet (2), denn ist bei die Krabben eene maue Stimmung, von der se janz wimmelkantich und rattenkattolsch (*3) zu Mute sein tut.

Und denn schlächste die Zeitung uff und merkst: Dies Jahr jibs jar keen Sommerloch. Der Zoo war eene Woche dichte, uffn Neustädter Friedhof is Tach und Nacht Totenstille, der Stadtpark is Sperrjebiet, FAM schmeißt 82 Fleißmäuse raus und wer eenen abjebrochnen Ast als Wanderstock instecken tut, kommt als Holzdieb hinter Eisenjitter. Ich will mir ja nischt ibbern Hals reden (*4), aber das scheint inner Ottostadt jang un jäbe zu sin. Mein Nachbar tut saren, dass der Sturm eenen Boren um Machdeburch jemacht hätte, wenn der Lutze nich in Urloob kutschiert wär. Der hätte den Petrus eenmal anjerufen und mit tiefer Stimme jedröhnt: „Mach mich keene Sperenzjen da oben“ – und schon wär er abjedreht und hätt die Bäume in Halle wie Streichhölzer abknicken und ibber die Saale sejeln lassen.

Doch kaum ist unser Dollbräjen (*5) irjendwo ins Warme verduftet, rejnet es hier Kuhscheiße. Und denn musste ooch noch lesen, dass der jemeine Otterslebener seinen janzen Kummer nich mal mehr ertränken kann. Nach 106 Joahre macht der „Kreuer“ dichte. Ja das ist doch woll unter aller Kanone (*6). Im „Schwarzen Adler“ ham sich Jenerationen die Kante jejeben. Und jeder wusste: Wenn da eener anjejraut aus die Latschen kippt, war kloar wie Kloßbriehe: Drinken ist wat for Fachleite!

Selber schuld, kann ich da nur saren – wenn keener mehr inne Kneipe looft, denn jibs eben keene Jasthäuser mehr. Wovon soll der Schornstein ooch roochen? Stattdessen wird’s Trinken zum „Event“. Heutzutare latscht man vornehm uffe Bierbörse und füllt sich Kirsch- oder Alaskabier rin. Wahrscheinlich tut’s daran liejen, dass wir in Sachsen-Anhalt arbeeten wie die Kimmeltürken und unter die Woche keene Zeit mehr ham, um an Jörg Hauses Tresen rumzuhängen. 1423 Stunden ham wir ins Hasiland letztes Jahr rabottet (*7). Das sind zweeeinhalb Tare (59 Stunden) mehr als deutscher Durchschnitt. Die Selbständigen und Freiberufler kamen sojar uff 1997 Stunden. Für die fällt Kneipe sowieso aus, weil die nach ihrem Tarewerk wie die Fliejen umme fallen. Mehr Zeit am Zapfhahn könnten nur Beamte und Anjestellte verbringen. Die kommen man jerade uff 1367 Stunden Schufterei. Also ville is das nicht, aber harzlich wenich. 

Das einzije, was rapide steijen tut, ist die Zahl derer, die durch unser schönes Bindestrich-Land latschen und unsre Hotelbetten durchliejen. Bis April kamen 837.000 Nervensäjen, jafften sich aus die Nähe an, was hier so abjeht. Immerhin 5,6 Prozent mehr als früher. Das ist wien warmer Schluck aus ne kalte Pulle (*8). Nicht injerechnet die Event-Touristen, die jetze jede Samstagnacht an Hassel piljern. Nachdem sich in janz Deutschland rumjesprochen hat, dass man da rund um die Uhr Bier und Brause für zuhause kriejen tut und in die Früh ne Hundertschaft mit Wattebällchen anrückt, plant die „Polster&Pohl“-Jurendabteilung schon an Abenteuertouren. Wenne jung bist, solltest de schnell zujreifen. Denn sitzt du uffn Proppen und stehst da wiene kaltjewordne Bratkartoffel  (*9).

Kodderschnauzes Lexikon:
*1 – Kahle - Kind
*2 – wenn es Bumskeilen rejnet - Dauerregen
*3 – wimmelkantich und rattenkattolsch – verdrehter Magen
*4 – nischt ibbern Hals reden – nicht zu viel sagen
*5 – Dollbräjen – Alleskönner, Oberster
*6 – das ist unter aller Kanone – das geht überhaupt nicht/sehr kritikwürdig
*7 – rabotten - arbeiten
*8 – warmer Schluck aus ne kalte Pulle - freudige Zustimmung
*9 – uffn Proppen sitzen und wiene kaltjewordne Bratkartoffel dasten - zu spät kommen
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25.6.2017
Birjittchen will‘n Weltrekord!
Juten Tach Kinnings,

kaum ist unser Dollbräjen returzurück (*1) und willer bei die Sozis mittenmank (*2), jehts in Trümper-Town drunter und drüber. Betreff dem Wetter halber von letzten Donnerstach bin ich nur nicht sicher, ob der Donner Beifall war oder der Sturm Entrüstung. Für die Jartenbaubranche hat sich Lutzes Hin und retuor un willer zurück verlohnt (*3). Die umjepusteten Bäume ausm Zoo reichen als Brennholz bis Weihnachten. 

Unsere Verkehrsbetriebe ham sich über den SPD-Rückkehrer so mächtig dolle jefreut, dass sie een Spiral-Feuerwerk entfacht ham: Janz hoch mit die Fahrpreise. Bei 5,10 Euro for eene Tareskarte, was ja umjerechnet so ville wie 10,20 D-Mark oder 71,40 DDR-Mark sind, merkt das Prekariat, dass es nun zu die Besserverdienenden jehören tut. Wer sich so ville Luxus leisten kann, jehört unbedingt dazu. Nur mein Nachbar hat sich verschrocken (*4). Will ab 1. Aujust keene Monatskarte mehr. Jeizkraren! 55 Euronen ist doch woll een Schnäppchen! Er aber will jetzt zum ADFC und sagt: „Da krieje ich das for umsonst und for ville billiger!“ Is woll nicht der einzije: Letztes Joahr hatte die MVB 1,6 Millionen Fahrjäste wenijer als 2015. Wenn das so weiterjeht, denn juckeln die uff ihre neuen Strecken warme Luft rumher ... Was sagste? Das gildet nicht! (*5) Ich jloobe schon ne janze Weile, dass die jerendelte Birjit das wissen tut und uff die Jachd nach nem Weltrekord ist: Für die längste Bauzeit einer Straßenbahnstrecke. Mit die Wiener Straße könnte das schöne was werden. Zwei Joahre sind schon rum ...

Unserm Bürjermeester ist das schnurz (*6). Der freut sich wie Bolle über den „Trümper-Effekt“, den er sich von Maddin Schulz abjeguckt hat. Seit der willer inner SPD rumschnackeln tut, jehts sowas von berguff in Machdeburch. Oder jloobste etwa im Ernst, dass die Lichtkunst anner Hubbrücke wejen die paar Spenden-Euros fürn Museums-Förderverein wieder strahlt? Nee, nee, mich könnse nicht schön een Mundvoll erzählen. In echt kannste das knicken (*7) – da hat der verlorne und rückzurückjekehrte Stadt-Sozis nachjeholfen. Aber for meinswegen (*8), Hauptsache willer Licht ibber die Elbe!

Und dass sie von die neue Bauzaunjalerie der Juericke-Jenossenschaft ausjerechnet das Kai-Spaete-Foto eener Balletttänzerin wechjeguckt (*9) ham, das ist doch keen Zufall nicht. Wird wohl een Fan jewesen sin – für Lutzes Jartenzaun. Als Dankeschön. Da wackelt die Lenne!

Halt ma stopp: Unerklärlich ist für mich der Diebstahl von die zwee Elefanten-Stoßzähne im Zoo. Am hellerlichten Dach spaziern Langfinger durch’n Tierpark – mit zwee 20 Kilo schweren Stoßzähne uffn Buckel. Ist es denn die Möglichkeit? Und das hat keener jesehen? Wofür braucht man in eener Stadt mit Bibern und Wildschweinen Elfenbein? Und was hat das mit Stadtvater Lutz und der SPD zu tun? Soll damit der Wahlkampf bezahlt werden oder der Uffschlach fürn Tunnel unter der Brücke? Oder sind die Zähne fürs Teleshopping von MDF2, wo wir Deutschen Europameister sind, weil wir jährlich 1,9 Milliarden via TV inkoofen? 
Ich bin derfier, dass wir nicht dergegen sind. Und was die Stoßzahn-Diebe betrifft: Wenn unsere Pullezei mit der Lamentierei betreffs des Beförderungsstaus halber fertich ist, dann muss sie die Langpfoten an Kanthaken kriejen (*10), damit wir sie in Africambo II nach Strich und Faden vertobacken (*11) können. Was zu ville ist, das ist zu ville.

Kodderschnauzes Lexikon:
*1 – returzurück – eine frühere Entscheidung revidieren
*2 – mittenmank - mittendrin
*3 – verlohnt - gelohnt
*4 – verschrocken - erschrocken
*5 – „Das gildet nicht!“ – „Das gilt nicht“
*6 – ist mir schnurz – ist mir egal
*7 – kannste knicken – das kannst du vergessen
*8 – for meinswegen - meinetwegen
*9 – wechjehuckt – gestohlen/geklaut
*10 – An Kanthaken kriejen – jemanden erwischen
*11 – vertobacken - verprügeln
2458

11.6.2017
Berndchens Bonsai-Arena
Juten Tach Kinnings,
das war vielleicht ne Woche letzte Woche. Unser Dollbräjen (*1) ins Rathaus hat Donnerschtach die Stadträte so in Dusel jequatscht, als wenn er ne Schweizerpille verkehrt injenommen hätte. Ohne, dass er sich eemal verheddert (*2) hat. Ich habe mich echt verschrocken, denn ausjerechnet Stadtlutze, der bisher berühmt davor war, dass er keen Jeld immer hat, macht een uff Schenkeonkel. Vor lauter Bammel (*3), dass sie bei ihm unten drunterdurch (*4) sind, wenn sie „Nee“ saren tun, ham balle alle Stadträte jenickt. 

Selbst Berndchen Heynemann, die verschrockenste Pfeife des Ostens, hatte nüscht gegen eenen Stadionausbau uff 30.000 Plätze. Beim Club ham se schon Wetten anjenommen, dass die Flitzpiepe (*5) willer seine Bonsai-Arena von maximal 8.000 Männeckens uffs Trapez bringen tut. Bernd, der Bremser, jloobt woll immer noch, dass das for die Machdeburjer Fußballkünste völlich ausreichen tut. Und außerdem wär de Hütte denn ooch jarantiert immer ausverkooft. Manche sind ehm schwer von Kapeh (*6), ooch wenn man jloobt, dass die eijentlich Ahnung ham müssten, Naja, inzwischen jiffeln (*7) alle über Berndchens Talent anner Jlaskurel und ham sechs Millionen für die jrößte Hüpfeburch östlich vonne Elbe rausjerückt.

Aber damit nicht jenuch. 

Endjültich drängelt sich unser Lutze inne Stadtchronik damit, dass er das Ufftakeln vonne Hyparschale durchjedrückt hat. Von eenem, der bisher uff’m Jeld saß wie die Jlucke uff den Eiern, konnste das ja so nicht erwarten. Jetzt tut der 1,7 Millionen Euro dafür raushaun, dass wir die Wände willer neu beklacksen (*8) können. Zwar hat der noch keenen Schimmer, was danach mit die Halle wird, aber sie wird erstmal trocken jelegt. 

Ich erinnere mir noch jut an mein erstes Mal inner Hyparschale.  Ich war 17, als sie mich zum Verjnüjen dahin mitjeschliffen hat. Mann, ich habe sie anjebeten ... Jejen Mitternacht hab ich sie mit ohne was an im Jebüsch entdeckt. Nicht mehr janz alleene. Maänsch, hat das weh jetut, wo doch meine Mutter immer zu mich gesagt hat, das hätte Schöne was werden können mit uns ...

Aber wie ich unseren Obersten kenne, hat der schon eenen ans Schlawittchen, der sich um die Schale kümmern tut, wenns nicht mehr durchregnet. Oder er kuckt sich noch nach eenem die Brillengläser krumm. Ich bin in juter Hoffnung, denn bisher hat unser Lutze doch immer was Anständijes hinjekriegt. Und wenn jar nüscht jehen tut, denn jibs ja immer noch unsre Machdeburjer Tausendsassas Rolfchen Onnen und Karlchen Jerhold. Denen fällt schon was in. 

Wenn doch nicht, muss Lutzes Jeheimwaffe ran - Wobau-Chef Peter. Alles, was der anfässt, ist balle später willer im Lack (*9). Wenn doch nicht, denn muss die Otto-von-Juericke-Jesellschaft ran. Die lässt die beeden jrößten Halbkureln der Welt vonne Decke baumeln und bohrt unten een klitzekleenes Luftentweicheloch (*10) rin. Und wenn bei der ersten Führung alle bei nem kleenen Nickerchen abjedrusselt sind, wird uffjedreht. Denn haben alle ab und schweben wie Arthur der Engel ibber unsre schöne Stadt.

Kodderschnauzes Lexikon:
*1 – Dollbräjen – wichtigster Mann, Alleskönner (in diesem Fall OB Trümper)
*2 – verheddern – durcheinander kommen
*3 – Bammel haben – Angst haben
*4 – bei ihm drunterdurch sein – bei jemandem kein Stein im Brett mehr haben
*5 – Flitzpiepe – jemand, den man nicht mehr ganz ernst nimmt
*6 – schwer von Kapeh – etwas begriffsstutzig sein
*7 – jifeln – lächeln
*8 – beklacksen – bemalen
*9 – alles im Lack – alles ist gut
*10 – Luftentweicheloch - Ventil
2299

4.6.2017
Vorn Latz jeknallt
Juten Tach Kinnings,
letztes Wochenende war ich neujierich wie ne Zicke am Strick. Da bin ich einfach mal uff dooben Dunst (*1) zum Verjnügen uffn Kirchentach jeloofen. Vorher konnste ja nirjends lesen, wo der Bär steppen tut. Uff Plakatbanner ham se unsereenen nur vorn Latz jeknallt (*2), dass wir ne jute Nachricht jekriecht haben tun. Erst dachte ich: Wahrscheinlich von unsre Zwitschervöjel vom Domplatz. Sachsen-Anhalts Landtachsabjeordnete sind ja die Twitterkönije von Deutschlands. Also nach Berlin. 56 Prozent der 87 Abjeordneten hacken alle paar Minütchens Wichtijes aus’m Hasiland (*3) in 140 Zeilen kleen. Ich schwanke noch, ob das ne jute Nachricht ist.

Aber zurück zum Kirchentach. Ich mich also ins Jetümmel jehaun. Was soll ich dich saren: Fast iberall war unjefähr so ville los wie dieser Tare im Bürjerbüro Süd. Ich weeß ja nicht, obs ans Wetter lag oder an die Kirchentags-Reklame, die möchlichst ville vor uns Machdeburjern verschweijen wollte.  Als ich die drei Hanseln um Dom schleichen sah und am Petriförder die Elbfische lauter mit die Kiemen jeblubbert ham als die Versprengten mit ihre Jaumen am Bierwaren, da hab ich so bei mich jedacht: Gucke, nicht mal der liebe Jott kann den Machdeburjer for dumm vakoofen. Der merkt das und hustet dich was und jeht denn eben nicht druffhin. Da sind die Leute libber schwarmweise zum Pusteblumefest in Zoo jeloofen und ham sich da an die eene Bratwurschtbude die Beene in Bauch jestanden. Da musste keener beten; außer vielleicht, dass die Wurscht nicht alle ist, ehe er dran sein tut.

Kann uns ans Ende aber Jacke wie Hose sin (*4): Das Beste vons Feste sind nich die Jäste, sondern de Reste. Bei unserer Event-Industrie und in Künstlerkreisen sind sicher een paar Euronis hängen jeblieben. Andererseits bete ich Tatsache, dass unser Micha Hoffmann, also was der schlaue Straßenmanager von der „Halber“ ist, uff Zack (*5) war. Wenn er keene anderen Böcke zu melken hatte, denn müsste er spätestens Sonntach mit seinem „Sudenburjer Flitzer“ durch die Kirchentach-Areale karriolt (*6) sin, um die Blumen inzusacken, die da massenhaft als Deko rumherstanden. Da war das Beste nicht von runter. Und fürn Hoffi hätt’s mich echt jefreut: Warum kann sich nicht so een Pechvorel ma so richtich inne Schlachsahne setzen? Unter uns jesacht: Mit seinen 20 mickrijen Blumenampeln mit dem kümmerlichen Jrünkrams intus, kann der doch an der balle fünf Kilometer langen Halber nüscht besehn. Wo nischt rinkommt, kommt eben nischt raus. Aber mit paar hundert frischen Christus-Chrysanthemen macht der die Straße jen Süden zu Kleen-Mainau. For Umme! 

Sojar der Zeitpunkt fürs jroße Pflanzen kommt ideal. Wo doch letzten Freitach die jerendelte Münstersche ihr Lebenswerk am Südring abjeschlossen hat. Jetze, wo der Wech nach Stadt willer offen wie’n Scheunentor ist, wär’ der jrüne Micha mit dem schwarten Parteibuch schneller wie ne Sonnenblume wächst zur Stelle, wenn im Rathaus eener jebraucht wird, der mal so richtich leidenschaftlich uffblühen tut. Also wenns schön jrün ist. Treibts der Micha weiter so bunt, denn jibs balle mehr Blumen links und rechts der Halber als im jesamten Stadtjarten-Reich von Simonchen Andruschek. Nicht, dass das unsern Dollbräjen (*7)im Rathaus noch uff eene Idee bringen tut. Du weeßt doch: Ne Pulle Dinnebier ist immer noch besser als wie mitn dreckijen Rejenschim ’n Stich ins Ooge.

Kodderschnauzes Lexikon:
*1 – uff dooben Dunst – ohne große Erwartungen
*2 – vor’n Latz knallen – lieblos ein paar Informationen loswerden
*3 – Hasiland – „Hasi“, Spitzname von Reiner Haseloff, Sachsen-Anhalts Ministerpräsident 
*4 – Jacke wie Hose – Magdeburg Begriff für egal sein
*5 – uff Zack sein – zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein
*6 – karrioelen – schnell fahren
*7 – Dollbräjen – wichtigster Mann, Alleskönner (in diesem Fall OB Trümper)

28.5.2017
Knöpp mal‘s Öhrchen uff
Juten Tach Kinnings,
Dr. Hanns-Didi Schmidt hatte letztens im Stadtrat Quasselwasser jetrunken (*1). Der Mann, der den Slogan „Essen fürs Ruhrgebiet“ erfunden hat, erzählt seitdem janze Bilderbücher voll. Vor siem Joahre machte er damit Essen zur Kulturhauptstadt. Jetzt will er es ooch mit Machdeburch hinkriejen. Und er is uffn besten Weje, mit seinen Redensarten alle besoffen zu machen. Mit Sprüchen wie „Man gewinnt diesen Titel nicht, weil man etwas hat, sondern weil man etwas braucht“ ist er bei uns Elbröwern schon eene Legende: Wem so was infallen tut, also wow, also so eener riecht doch’n Pup im Dunkeln. So eenem kuckt die Weisheit aus 1000 Meter aus alle Knopplöcher. So eener papperlapappt (*2) sich uff schnurjeradem Wech mitten ins Herze von uns Ottojanern. Da kann unsereener jar nicht anders: Uff so eenen wie Didi warten wir hier schon länger als die Cubfans uffe zweete Lija. Jetzt isser da - unser Schmidti, der uns mit der Nase druff stucken tut, wie Kultur so jeht. Denn wir sollen  mitmachen und saren, was unsrer Ottostadt fehlt. 

For meinswejen (*3)! Schmidti, denn knöpp mal die Öhrchen uff:

Als erstes brauchen wir was Jrandioses, was Spektakuläres, was janz Europa aus die Puschen haut. Wenn der Harz wejen der längsten Hängebrücke der Welt jedes Wochenende jeflutet wird, denn könn wir doch woll die Menschheit mit der allerlängsten Hängepartie des Universums verhohnepiepeln (*4). Schließlich baldowern (*5) wir mit der Hyparschale länger rumher wie der Bau von Dresdner Kulturpalast und Hamburjer Philharmonie zusammen jedauert hat. Jetzt, lieber Schmidti, weeßte ooch, was die Machdeburjer brauchen: Eene Hyparschale oder eenen Kristallpalast als Ersatz fürs Kulturwerk. Also im Jrunde een Tempel, wo wir uns eenmal ins Joahr im Kreise drehen und vor Verjnüjen uffe Schenkel kloppen. Am Uniplatz tut sich da jerade ne Top Jelejenheit uff. Rollandy Horvath, der zwar wie der Direktor von Circus Halligalli heißt, in echt aber Scheffe des Grundtec-Bau-Imperiums von Karli Jerhold ist, sucht was Attraktives für’s Rondell. Erst wollte er ja sowas wie’n Planetarium oder das kleenste Naturkundemuseum östlich der Juericke-Straße. Wie wärs mit ner Kristall-Schale (*6) in der jrößten bejehbaren Halbkurel östlich der Alpen? Und jleich daneben die Show-Manufaktur der „Magdeburger Rakete“. Die Startrampe für Weltraumflüje kann ja inne Mitte vons Runde. Rollandy muss nur uffpassen, dass der kleene Nathusius nicht ufftauchen tut. Sangerhausen ist überall.

Unsre Stadträte sollten ooch mitmischen. Letztens inner Sitzung ham se sich ja nur eenen Wettbewerb von Bummelante (*7) zu Umstandskasten (*8) bis zu Schlabberschnute (*9) jeliefert. Ich schlare vor, dass die ab nächstes Joahr als Projekt jemeinsam das Kaiser-Otto-Fest orjanisieren. Ohne Zuschuss aus Lutzes Schatzkiste! Aber ich fürchte, eh die aus die Puschen kommen, wird eher ne Mumie schwanger. Was reg ich mich künstlich uff, das schadet eh dem Täng (*10). Also mach ich doowe Nuß mah keene Fiesematenten (*11) und erinner den Falko Jrube an seine Idee, das Rathaus bunt anzupinseln. Didi Schmidt, das ist die Chance für dein Meisterstück! Jib jeder Fraktion 10 Pinsel und eene Seite vons Rathaus. Und schwupps, malt die SPD die Ostseite hellrot, die CDU den Westen schwart, die Jrünen den Süden jrün und die Linken den Norden knallrot. Die FDP darf die Fensterkreuze jelb, die Jartenpartei die Türen jrün und die AfD das Dach braun malen. Statt „Essen für das Ruhrgebiet“ jibts denn „Tempo für Anhalt“.

Didi, ich jloobe mit dich, das wird was! Aber pass uff: Jachter dich nicht ab, bis dich die Bläke außen Hals hängen tut (*12). Und bleib verschwiegen wie ne Waschfrau. Du weeßt ja, der Feind in Halle hört mit. Immer.

Kodderschnauzes Lexikon:
*1 – Quasselwasser jetrunken – viel reden
*2 – papperlapappt – viel reden, nichts sagen
*3 – For meinswejen - meinetwegen
*4 – verhohnepiepeln - veralbern
*5 – baldowern – etwas ohne Sinn, Verstand und Ziel tun
*6 – Kristall-Schale – Mischung aus Kristallpalast und Hyparschale
*7 – Bummelante – langsamer Mensch, Bummelletzter
*8 – Umstandskasten - geistig nicht so fit
*9 – Schlabberschnute – jemand, der sich gern reden hört
*10 – Täng – Teint
*11 – keene Fiesematenten machen – keinen Unsinn machen
*12– Bläke ausm

21.5.2017
Entspannte Lare
Juten Tach Kinnings,
die Lare bei unsre jrüne Minna tut sich rasant entspannen. Im Landeskriminalamt anner Lübecker ist nun doch ville wenijer dicke Luft als nach dem Notarzt-Insatz vor paar Wochen zu befürchten war. Damals hatten se woll eene Schreibtisch-Ajentin mit puterroter Rübe (*1) und Schnappatmung zum Doktor jekarrt. Und Tatsache: In ihrer Lunge ham die Weißkittel ne janze Wolke künstlicher Mineralfasern uffjescheucht. Na loro war die Angst bei allen 299 Schlapphüten im Nachwende-Neubau balle jrößer als vor die eijene Enttarnung. Alle hatten plötzlich ständijen Hustenreiz und das todsichere Jefühl, sich mit der juten Machdeburjer Luft ooch paar jiftije Sporen rinjezoren zu ham. Doch es waren wahrscheinlich nur Spuren von Mineral-Wasser, dass inne Blumentöppe verdunstet. Bei der Kollejin, die inzwischen willer schneller joggt als der Enkel von Waldemar Cierpinski, tun sich so manche fraren, was man die damals woll inne Zijarette jestoppt hat. Bei so nem Jeheimdienst weeste ja nie, wer da wecke (*2) Fäden zieht.

Na jedenfalls macht Innen-Holjer Minister-Stahlknecht drei Kreuze, dass er das LKA nicht voreilich schon bis uffe Jrundmauern abreißen lassen hat. Jetzt muss nur mal durchjewischt und bisschen renneviert (*3) wern. Da fliejen denn höchstens Pinsel und Tapeziermesser durch die Jejend. Was aber unjefährlich ist, weil beedes nicht inne Lunge passen tut. Vor lauter Jlück hat der Holjer den Finanzausschuss vom Landtach so schöne Ooren (*4) jemacht, dass der 14 Milliönchen für Deutschlands schlechtestes Polizeirevier ribberjeschoben hat. Urst jeil, hab ich im ersten Oorenblick jedacht; jetzt kriejen unsre Jrünröcke stabile Stühle, dichte Fenster, frisch jeölte Türen und Decken, von denen nüscht mehr rieseln tut. Aber Pustekuchen; die villen Kröten jehn jar nicht inne Bruchbude von Revier, sondern inne Kleiderkammer. 

Offiziell nennt sich die teuerste Jarderobe im Hasi-Land „Bekleidungs-Servicecenter der Polizeidirektion Nord“ und soll janz neu jebaut wern. Und ich dachte immer, dass Ordnungshüter ordentliche Menschen sind, die ihre Kleedage (*5) selbst waschen. Wird woll so kommen, dass unsere Polente uff Streife jebüjelt und jestriejelt rumlooft, aber sobald se een Fuß ins Revier tun, machen sich alle bis uffn Schlüpper nackich. Nicht dass uff die frischen Klamotten aus’m Bekleidungs-Center noch die Revierfarbe von vor 100 Joahre rieselt ...

Ich finde, der Andy Schomaker, also der El Präsidente vonne Machdeburjer Jrünröcke, sollte die Sache mal selber inne Hand nehmen. Warum um Jottes willen, bimmelt der nicht mal bei Herbert Saalfeld anne Düre (*6)? Was, den kenn se nicht? Herbert ist balle (*7) Machdeburchs reichster Rentner. Er weeß von seiner Mutter, dass er der uneheliche Sohnematz von Karli Albrecht ist. Um seinen Erbteil von Aldi abzufassen, braucht Herbert janz dringend die Adresse von seinen Jeschwistern Karl junior und Beate Heister. Nur denne kann das Jerichte die beeden vorladen und zum Speicheltest bitten. Doch Herbert ist zu kleen und zu arm, um die Adresse der Aldi-Krabben (*8) rauszubaldowern. Das wär’ jetzt een Fall für Schomi. Gegen 10, 20 Prozent vom Erbe könnte der die kernjesunden LKA-Leute druff ansetzen. Falls es klappen tut, ist jenuch da, um een funkelnarelneues Revier zu bauen. 

Und wenns nicht klappt, oder mein Freund Herbert doch nicht von Karli ist, na dann bleibt eben das Revier, wie es schon immer war – in Sachen Schönheit janz hinten. Das wär denn so wie Deutschland beim ESC- trotz jroßer Klappe seit Jaohren immer am Ende.

Kodderschnauzes Lexikon:
*1 – Rübe - Kopf
*2 – wecke - welche
*3 – renneviert - renoviert
*4 – Ooren – Augen
*5 – Kleedage - Bekleidung 
*6 – Düre – Türe
*7 – balle - bald
*8 – Krabben - Kinder
2204

14.5.2017
Weibsbilder anne Täte!
Juten Tach Kinnings,
uff’n Ollen Marcht steht das frauenfeindlichste Rathaus von janz Deutschland. Stand die Woche inner Zeitung: In Machdeburch sind wenijer Weibsbilder anner Täte (*1) als in 72 anderen Jroßstädten. Nur in Mühlheim anner Ruhr stehen noch mehr Kerle den Mädels im Weje. Was aber keen Wunder ist, das Nest heeßt ja ooch an DER Ruhr...

Guckst du uff unsern Stadtroat, so fällt uff, dass Machdeburch janz am Ende ist – nur zwölfe von die 54 sind vons schwache Jeschlecht. Das merkste aber ooch an die Politik, die unser Männerverein mit 20 Prozent Quotenbräuten anstellt. Jetzt weeßte ooch, warum in Machdeburch Kita-Plätze seltener sind als Kreuzfahrtschiffe in Halle! Nee, nee – mit mehr Frauen im Rat jäbe es statt Baumärkte an jeder Ecke Kinderjärten. Und das Stadion, das hätten die Kahlen (*2) von Bejinn an wie ne Hüpfeburch bauen lassen. Schon alleene, weil da nicht nur alle zwee Wochen 22 Kerle eenem Bal hinnterherhetzen, sondern weil da Typen wie Robbie Williams und die Chippendales uffloofen. Inklusive Kreischen und Hüppen bis zur Ekstase. Oder der Nordabschnitt. Der wär schon längst überdacht, damit beim Inkoofen die Hoare schön bleiben. Hätten Frauen das Saren, denn wär alle halbe Joahr die Stadt umdekoriert. Mal mit niedlichen Frosch-Fijuren oder Kühen, mal mit Vintage-Sprüchen anne Laternenmasten oder mit Patchwork-Mustern uffen Bürjersteich. Hauptsache ville Krimskrams.

Mit ner Trulla-Armee in Amt und Würden wär das schönste Stadtfest nicht nach Kaiser Otto sondern nach Könijin Editha benannt, der Fischmarkt würde Tinnef- und Takel-Tratsch (*3) heißen und inne olle Staatsbank käm keen Dom- sondern das Frisurmuseum. Mit 80 Prozent Frauen im Stadtrat würden ooch Sportvereine jepuscht, die nix mit’m Ball zu tun ham. Die deutschen Meisterinnen im Synchron-Schwimmen und inner rhythmischen Sportjymnastik mit Reifen, Ball, Keule und Band kämen immer aus die Ottostadt. Apropos Ottostadt – die würde wahrscheinlich ooch umbenannt. Sprüche wie „Otto liebt Lotti“ würde der zickijen Ratsmehrheit jarantiert nicht hinreichen. Vielleicht hießen wir denne „Mechthild-Metropole“, „Jungfrauen-Burg“ oder „Stadt mit Feuerkäwer“.

Ich finde, es ist Zeit für ne Bratschlabben-Revolution; schon wejen die schönere Kleedaje (*4). Aber ich sehe nur eene Möchlichkeit, wie taffe Frauen ans Ruder kommen: Unser Dollbräjen Lutze muss seine besten Stuten um Stall klonen. Saren wir mal so: Säßen Stadtjärtnerin Simonchen Andruschek und Kleinjarten-Oberste Utchen Simon im Rat, würde der kalte Saal janz jrün dekoriert sein und inne Pausen jingen alle Unkraut zuppeln und Hängeerdbeern ernten. Das entspannt jede hitzije Debatte um des Kaisers Bart. Mit Volkshochschulchefin Dörtchen Neßler, Jabrielechen Köster ausm Museum und der Königin aus der Bibo, Conny Pönnicke, hätten die Quasselstunden im Rat sojar Tiefjang. Und wenn erst Biggi Münster-Rendel inner letzten Reihe hocken tut, denn loofen die Sitzungen widder nach Fahrplan.

Nur uff eens musste dich jefasst machen: Die Inwohner-Frarestunde bei Ratssitzungen wird uffe Stelle abjeschafft. Die heißt denne Kaffeetratsch und tut ooch so abloofen.

Kodderschnauzes Lexikon:
*1 – anner Täte sein – etwas zu sagen haben
*2 – Kahle – junges Mädchen/junge Frau
*3 – Tinnef, Takel – wertloses Zeug
*4 – Kleedaje – Kleid/Bekleidung
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7.5.2017
Conan, der Bratenbengel
Juten Tach Kinnings,
anno knips, also 1788 Joahre vor der ersten Erwähnung Machdeburchs (805 im Diedenhofer Kapitular), zoren paar Männeckens durch unsre Jejend. In Sichtweite vom Landtach kriejen die uff eenmal so ville Knast, dass sie sich hinhucken. Nachdem sie vermutlich een Wildschwein jeschossen ham bruzzeln sie es mitten uffn Domplatz so lange, bis es hübsch bronzebraun war. Hätte sich die bronzezeitliche Jrillparty nur paar Meter weiter nördlich, also mitten uffn Domplatz, abjespielt, jäbs keen Problem. Aber so ham wir seit der 1200-Joahr-Feier unsrer Stadt anno 2005 mitten uff der Stroaße eene Jrube. 50.000 Euro hat das Ausbuddeln, das Loch und damit der freie Blick uff die Eisenzeit-Jrude (*1) jekostet. Wejen die Jefahr, dass die nach 3000 Joahre schon janz schön anjejammelte Feuerstelle in sich zusammen fällt, wenn jeden Tach die Abjeordneten ihre Linsensuppe druff kochen, ham se Plexijlas uffs Loch jehaun. Ab da war Ringucken nicht mehr drinne – weil das olle Plexijlas entweder dreckich oder beschlaren war. Im Zeitalter der Jutachteritis konnte ooch echt keener ahnen, dass es feucht in eener Jrube wird. Zwölf kurze Joahre konnste bei jutem Wetter, mit jroßem Putztuch und Falkenoore die Feuerstelle von Conan, dem Bratenbengel, begucken. Jetzt ist sie willer verschüttet – und mit ihr die 50.000 Euro. Macht ja nüscht, wir hams ja.
*
Vor 90 Joahren, also in den „Joldenen Joahren“ hat der olle Jöderitz im Rotehornpark eenen Pressluftschuppen (*2) jebaut. Soll der schönste und modernste seiner Zeit jewesen sin. 5.000 Besucher passten da rin. Heute ist sie in dutten (*3) und das altmodischste, was im Umkreis von eener Taresreise mits Rad rumstehen tut. Also wird sie jetzt jrundsaniert. Danach passen woll nur noch 2.000 Männecken rin. Aber wir wissen endlich, was uns unsere Stadthalle wert ist: Zweieinhalb Seilbahnen! Jetzt wird uns ooch kloar, was für’n Jlück wir mit der Dalbertschen am Kabinettstisch ham. Wäre die een Skihäschen mit Schwung und Schmackes, denn hätte das Land jarantiert 26 Mille am Schierker Winterberg in die Seilbahn rinjepulvert. Aber weil die Dalbertsche in Skischuh immer in Schnee purzelt und sich dann häßlich finden tut, springt die überflüssije Penunse vielleicht in unsere Luxus-Stadthalle. 65 Mille soll die kosten. Keen Schnäppchen. Dafor könntste ooch zwee Fußballstadion, inklusive hüpfsicherer 6-Millionen-Umbau, hinkriejen. Die MDCC-Arena war 2009 für 31 Millionen zu haben.
*
Macht nüscht, unser Dollbräjen (*4) ausm Rathaus hat jerade seinen Jroßzüjijen. Letzte Woche hat er jesagt, dass er für die Hyparschale bis Juni eenen Doofen jefunden hat, der sie saniert. Und wenn nicht, denn macht er es selbst. Ja, was war denn in dem sein Kaffee? Seit der hier anner Täte (*5) ist, hat der keene Puperatze (*6) für den hyperbolischen Paraboloiden übrich jehabt. Hat unser Lutze mit dem Holjer etwa schon jekungelt? Kann doch sein, dass das Landeskriminalamt da rinziehen tut. Wo doch jetzt die Kriminalen wejen der vonne Decke rieselnden Sporen wie die Fliejen umfallen. Die anderen Ordnungshüter sind ooch nicht besser dran. Unsre Polente pfeift nicht nur ausm letzten Loch, die hausen ooch dadrin. Da wär so een luftich-lichter Paraboloid wie die uffjehende Sonne.

Kodderschnauzes Lexikon:
*1 – Jrude – Feuerstelle
*2 – Pressluftschuppen – Lokal/Saal/Veranstaltungsstätte
*3 – in dutten sein – kaputt sein
*4  Dollbräjen – Oberster, Alleskönner, Chef
*5 – anner Täte sein – etwas zu sagen haben
*6 – Puperatze – das l
2065

30.4.2017
Alles im Lack(ner)
Juten Tach Kinnings,
so sauber wie jetze wird die Stadt das janze Joahr nich mehr. 66 Kilojramm Dreck und Müll hat jeder Elbröwer (*1) mit Putzfimmel uffjepusselt (*2). Weil sich der Lutze ja nun nicht selber bücken musste, hat er jedem der 8.578 Männeckens von der Machdeburjer Putzkolonne een T-Shirt um Hals jehangen. Und bei der Tombola jabs janz jute Preise für all die Fleißmäuse, an denen neben dem Dreck och das Jlück kleben jeblieben ist. Besonders hoch im Kurs sollen bei der Tombola Hüpfkissen in blau-weiß, ALB resistente Stecklinge und ne Kita-Platz-Reservierung fürs Urenkelchen, das Anno Knips (*3) jeborn wird, jestanden ham. Unter viern (*4) soll der Stadtvater eenen Stoßseufzer der Erleichterung abjelassen ham. 

Der hatte in seinen schlaflosen Nächten schon befürchtet, dass wejen der schmucken Putzi-T-Shirts jeder der 241.064 Machdeburjer den Müll vor seine Haustüre insammeln tun. Na, denn wär nicht nur die malaysische Nähindustrie zusammenjebrochen, ne, denn hätten wir jetzt nen Berch von 15.910 Tonnen Müll. Mit dem janzen Jelumpe (*5) hätten die Jängelsberje die Jrätsche jemacht (*6) und wär’n bis zu Wigberts Wohnsitz in Ottersleben-City ibberjequollen. Ich will mir das Jezetere von dem Kleenen jar nicht vorstellen ...

Vielleicht hätte unsrem Oberbürjermeester eene Müll-Lawine in Südwest aber ooch besser in Kram jepasst als die anhaltende Asien-Invasion vom Norden her. Die verfressenen Laubholzverbockten sind einfach nicht uffzuhalten. Wie ne Dampfwalze fressen die sich ihren Wech kahl. Jetzt steht die ALB-Armee schon vor Barleben und mitten in Kannenstiech. Und widder surrt die Säje– minimal 300 Bäumen wern am Neustädter See jeraspelt. Da kannste nur hoffen, dass der vom Land anjekündigte Musterjarten mit Bäumen, die die Käferarmee aushungern, so jroß wird, dass du am Neustädter den See vor lauter Bäumen nicht mehr sehen tust. Ansonsten kriejen wir mit „Mein Bäumchen für MD“ den anjerichteten Kahlschlach in 1000 Joahren nicht mehr jrün jekleckert. Ich hab ja den leisen Verdacht, die China-Käfer ham nur een Ziel: die „Eulenspiegel-Bar“ im Nordabschnitt. Jahrzehnte jammelte der Pressluftschuppen (*7) von Honnis jung jefreiter Jurend verwaist vor sich hin. Jetzt macht sich da Machdeburchs jrößte Shushi-Bar breit. Sozusaren lecker Streetfood von Zuhause für die Knabber-Krabbler.

Ist doch sowieso dolle uffällich: Seit die Wobau nen neuen König hat, der was mit Lack im Namen hat, kommt da bei die richtich Farbe ins Spiel: asiatische (Fr)Esskultur im Nordabschnitt, Kulturschätze am Dom und nun ooch noch een Kulturhaus inner Weitlingstroaße. Ooch hier knutscht der Neue wach, was zwar nach Tradition klingt, aber wahrscheinlich abjestanden riecht. Ich will nicht wissen, wie es nach 27 verrammelten Joahre im „Exlibris“ duften tut. Apropos (ver)duften. Sollten Härtels Harte echt uffsteijen, denn wird der Lutze woll den janzen Sommer verduftet sein. Muss er doch überall in Deutschland den Fußballfans inreden, dass Hüpfen beim Auswärtsspiel in Machdeburch unjefähr so unjesund ist wie Kettenroochen und uff der Stelle Akut-Krebs im Endstadium verursacht. Bei unsren Ultras hat sein Jejammer ja schon zu Versteifungen im Beckenbereich jeführt. Klappt das aber nicht inner Alten Försterei, uff St. Pauli oder bei Dinamooo, denn verduftet unser Klub die nächsten zwee Joahre zu jedem Heimspiel nach auswärts. Na denn jibs nur noch eene Lösung; der Mann mit dem Lack muss übernehmen. Denn kommt jarantiert alles in Lack. 

Kodderschnauzes Lexikon:
*1 – Elbröwer – gebürtiger Magdeburger
*2 – uffjepusselt - aufgehoben
*3 – Anno Knips - irgendwann
*4 – unter viern – Im Vertrauen
*5 – Jelümpe - Müll
*6 – die Jrätsche emacht – kaputt gegangen
*7 – Pressluftschuppen – verrufenes Lokal

23.4.2017
Keene Zeit fors Krankenlarer
Juten Tach Kinnings,

Ostersonntach iss mich balle (*1) die Persilie verharelt (*2). Ich jehe so mit die Krabben (*3) inner Nachtweide spaziern und denk nix Böses. Aber als Machdeburjer is man ja jewohnt, die Löffel (*4) immer uffzustellen.  Ich also janz Ohr und pass uff wie’n Schießhund. Und als hätt’ ich es jeahnt, tut’s uff eenmal im Jebüsche rappeln (*5). Meine Fresse, da läuft doch Tatsache een Halbstarker (*6) uff’n Kita-Jelände rumher. Ich gucke und jloobe, mein Schwein pfeift: Jibt der Lackaffe (*7) doch am hellerlichten Dach die Tretautos von den Kleenen zu seim Kumpan übbern Zaub. Ich also jebrüllt: „Ey du Eierkopp, lässt du woll die Spielsachen stehn!“

Dem Trollkopp sind uffe Stelle die Jesichtszüje entjlitten. Denn hat der seine Quanten (*8) inne Hand jenommen und ist schneller jestratzt (*9) als Usan Bold bei der letzten Olympiade. Aber nicht mit mir. Ich mein Handy jejriffen und 110 anjebimmelt. Die müssen schon umme Ecke jelauert ham, denn in Nullkommanix warn die da und ham den Janoven jefangen. Ich noch hin zu dem und jesagt: „Dein Jesicht uff die Briefmarke und die Post macht pleite.“

Bei der Post hätte der anheuern sollen – da würde der Bengel seinen Zaster anständich verdienen. Heutzutare muss doch keener mehr klafften jehn (*10), um sich was Anständiijes zwischen die Kiemen (*11) schieben zu können. Bei der Post fehln so ville Paketfahrer, dass sie schon Soldaten am Tach der Entlassung vom Kasernentor wechfangen. Wenn das mit der Bestellerei im Internet so weiterjeht, denn jibs balle mehr Paketautos als Boutiquen. 

Ooch bei der Polente hätte die Kita-Kanone mit der klebrigen Hand jute Chancen. Als Insider. Bei den Jrünröcken ist ja schon willer Holland in Not. 700 Neue brauchen die bis 2021. Mindestens. Sonst jibt’s Mord und Totschlach in Sachsen-Anhalt. Alles, was der Knauser-Jens mit seiner Unterbesetzerei injespart hat, haut der Schröder jetzt für Werbung raus - 160.000 Euronen für Reklame uff Papier und uff Tablets.
 
Wer im Hasiland arbeetslos ist, dem ist nicht zu helfen. Ob Paketfahrer, Polizist, Lehrer oder neuerdings Kita-Erzieher – halbwegs jute Leute fangen se schon mit’m Lasso in. Sojar Abtaucher und Abdichter suchen sie in Machdeburch wie die Stecknadel im Heuhaufen. Die Beckensanierung im Schwimmbad Olvenstedt kommt nicht in Jange (*12), weil sich uff Ausschreibungen jar keene Firma mehr melden tut. 

Da bleibt uns woll nüscht andres übrich, als es alleene zu machen. Wir bewaffnen uns mit Reizjas und Schreckschuss-Knarren, wir schicken unsre Kinder zum Lernen ins Kloster und holn die Pakete aus Osterweddingen ab. Da bleibt nicht mal mehr Zeit fürs Krankenlarer. Jeder Machdeburjer ist nur noch 17,4 Tare ins Joahr krank – ville wenijer als der Rest ins Hasireich.
Jeht doch.

Kodderschnauzes Lexikon:
*1 – balle - bald
*2 – die Petersilie verharelt – schlechte Laune haben
*3 – Krabben - Kinder
*4 – Löffel uffsperren – genau zuhören
*5 – rappeln – Geräusche machen
*6 – Halbstarker - Teenager
*7 – Lackaffe – unangehmer Mensch
*8 – Quanten - Füße
*9 – stratzen – laufen
*10 – klafften jehn – klauen gehen
*11 – etwas zwischen die Kiemen schieben - essen
*12 – nicht in Jange kommen – es geht nicht los

9.4.2017
Tour vermasselt
Juten Tach Kinnings,

Didi Scheidemanns Traum ist ausjeträumt. Lutzes rechte Hand für Bauerei, Verkehrschaos und Stadtverwicklung tut nun doch keen Denkmal kriejen. Didi wollte Machdeburch zur Volks-Triathlon-Metropole machen. Sein jenial ausjeheckter (*1) Plan: Uff engstem Raum – also zwischen  Elbe, Uniplatz und Jroße Diesdorfer – sollten die Fitness-Junkies durche Elbe paddeln, Drahtesel treppab, treppuff durch’n Bahnhof puckeln (*2) und loofen wie die Hasen. Aber nüscht klappt mal willer in Didis Baudezernat. Weder Ebert- noch Strombrücke tun einfach nicht instürzen. Also muss ooch keene Sau rübberschwimmen. Die Bahn friemelt nun doch ne Fahrradschiene anne Bahnofstreppen. Also muss sich keener mehr sein Rad uffn Buckel hucken. Und die MVB fährt ooch bei Tunnel zu immer noch. Also muss sich keener Blasen anne Quanten (*3) holen.

„Polster & Pohl“ ham die Radreise „Machdeburg als Packesel erleben“ schon ausm Katalog jenommen. Keene Nachfrare mehr. Städte, in die es keene Herausforderung jeben tut, sind eben keene Reise wert.

Die Stadtjarten- und Friedhofsfrau Andruschek war noch die letzte, die unser Machdeburch als Erlebnisstadt für Extremtouristen hätte retten können. Balancieren am Strubepark-Kletterkran – direkt ibber eene 110 KV-Starkstromleitung – das wär doch mal was für Lebensmüde aus aller Herren Länder jewesen. Aber nee, kurz vor Eröffnung des stromstärksten Spielplatzes vonneWelt bläst sie alles ab. Keen Tanz uffn Todesseil! Keen Russisch-Roulette beim Jrackeln (*4) im Spielsand. Mann Frau Andruschek – tausende Russlanddeutsche und andere Adrenalin-Süchtije hätten den Strubepark überrannt. 

Ich bin echt sacksiedejrob (*5) uff Sie! Wie könn Sie unserer Ottostadt mit dieser Tour den Uffstiech inne zweete Lija der uffrejendsten Event-Destinations versauen? Konnten Sie den Anruf von diesem Avacon-Wichtichtuer nicht eenfach in Skat drücken? Die SWM-Jungs ham doch alles richtich jemacht. Die wussten janz jenau, dass da die dicke Leitung unterm neuen Kletterjerüt liejen tut. Aber sie ham es nicht jesacht, sondern uff die Klugschieter (*6) vonner Avacon verwiesen. Na und die hörn natürlich die Flöhe husten und schietern (*7) jleich die Nappsülze (*8) von Freiraumplaner an. Aber Sie, liebe Frau Andruschek, hätten Ottoburch als No-Risk-No-Fun-Meile retten können. Aber nee, Sie ham Fracksauen und den Spielplatz jar nicht erst eröffnet. Mit Schissbuchsen wie Sie bleim wir hier so lange Provinz, bis in 500 Joahren mal willer een Otto mit besonders volle Jrips jeborn wird.

Da lob ich mich doch so Leutchens wie Simonchen Borries aus das Dezernat Pleiten, Pech und Petzen. Die weeß noch, wie man was voll gegen den Boom rammeln lässt, und Machdeburch bis nach Honolulu Schlachzeilen macht. Die tut allen Eltern saren, dass sie sich ab 1. April schon sechs Monate vorher für nen Kitaplatz melden kann, obwohl jeder wissen tut: Jibt eh keenen. 

Oder Helmut vom Herdt: Der ist knallhart und haut die SWM-Enerjiepreise hoch, dass dich janz schackerich (*9) werden tut. Na und – wer sacht denn, dass Machdeburch nur was für arme Schlucker und das hart arbeetende Prekariat jut  ist? Ooch Kay aus’m Zoo weeß, wie man die Leute uff hundertachzig bringen tut: Einfach fluffich ruff mit das Intrittsjeld. 13 Euro kosten dich die Affen jetzt. Ob  da noch wecke kommen oder nicht, ist doch wurscht. Hauptsache, Machdeburch regt uff.

Kodderschnauzes Lexikon:
*1 – ausjeheckt - geplant
*2 – puckeln- schwer tragen
*3 – Quanten - Füße
*4 – jrackeln - mit etwas in etwas herumstochern 
*5 – sacksiedejrob -  sehr wütend/böse sein
*6 – Klugschieter - Besserwisser)
*7 – anschietern - verpetzen
*8 – Nappsülze - Schimpfwort
*9 – schackerich - schwindelig
2012

2.4.2017
Mit Luther alles in Butter
Juten Tach Kinnings,

ob weiß-blau oder rot-jrün - wir sind die Jrößten vonne Welt. Wer daran rütteln tut, ist entweder blind oder aus Merseburch-Süd. Oder beedes. Machdeburch holt sich een Superlativ nach’n nächsten. In eenem Satz: Drittjrünste Stadt mit Deutschlands ältestem Volksfest, dem ersten jotischen Dom uff deutschem Boden, Hundertwassers letzte Hütte, die varücktesten Fußballfans der Welt, die jrößte Kabarettdichte Neufünflands und die Metropolrejion mit die meisten Baustellen uff eenen Verkehrsbetrieb. Und jetze ooch noch die längste jemalte Bibel am Stück unter die Sonne. Herrjottchen! 

Aber nu halte Dich fest: Machdeburch ist sojar Endstation vom Lutherwech. Das ist der Wahnsinn! Jeder der weltweit 74 Millionen Lutheraner (merkste was: 74 – eene marische Machdeburjer Zahl) muss eemal in seim Lehm inne Johanniskirche rinjestolpert sin. Vorausjesetzt, er wird nicht vorher im Harrnkruch von eenem Wolf anjefallen. Aber da will sich der Hasi höchstpersönlich drum kümmern. Bis uff die Dalbertsche kriejen alle ins Kabinett een Jachdjewehr umjebammelt (*1). Also für den Fall, dass Stahli, Webelchen & Co. uff ihre villen Dienstreisen mits Mifa-Rad was vor die Quanten (*2) rumloofen tut, das rumheult wie Wölfchen.

Für die ottonischen B&B-Branche, also für unsre Jilde der Bierzapper und Bettenbauer, brechen joldene Zeiten an. Sandra Yvonne kommt vor lauter Vorfreude schon jar nicht mehr in Schlaf – sie träumt jede Nacht von Uffläufen. Also nicht von die zum Rinhauen (*3), sondern von die zum Abholn. Also die Uffläufe von Touristen, die sich vor jeder Kirche und jedem jrößeren Stein bilden, wo der Martin mit seim Lodenmantel mal jelangjewedelt sein könnte. Unsre Sandra soll schon alle ihre Mägchens inne MMKT anjewiesen ham, den Busführerschein zu machen. Wejen die drohenden Engpässe, wenn die ihre rote Riesenbusflotte erst uffjestiegert haben tut.

 Jloob mich - mit Luther kommt alles in Butter. Das einzich blöde ist nur, dass der Martin und nicht Otto hieß.

Ejal, unser Lutze stellt sich schon mal druff in, ab Sommer wenijer durchzurejieren. Er will ville mehr uffe Stroaße rumscharwenzeln. Als Saisonarbeeter. Macht uff Stadtführer-Quasselkopp (*4), weil ihmchen die andern so ville Quatsch erzählen. Von wejen Tunnel-Trümper, Leichtbau-Lutze, Hüpf-Heini oder Kita-Chaote. Vor der internationalen Besucherschar will er dajejen halten und seine Erfolfsjeschichten zum Besten jehm. Und wie wir unser Trümperchen eben so kennen tun – macht er nüscht uff eene Arschbacke, sondern wenn denn volle Pulle. Deshalb verrate ich Dich mal een Jeheimnis: Den Vertrach mit die Karen vom Theater, den hat doch der nicht einfach nur so verlängert. Da jabs eene Bedingung: Die Stone muss ihm jede Woche een Lutherkostüm uffn Leib schneidern lassen. Na lorisch macht die das! Und nun kann unser Dollbräjen (*5) mit dem Dingens durch die Jejend loofen und jedem predijen, wie schön doch die Welt ohne Parteibuch ist. Die Kleedaje (*6) kleidet ihm aber ooch wie der Kranz die Jungfrau.

Parkwächter Steffen hat sich ooch schon uff die hungrije Touristenmeute injestellt. Aber anders als der Oberbürjermeester nicht ehrenamtlich, sondern für Penunse (*7). Der Steffen weeß janz jenau, dass der US-Lutheraner eenen Hang zum Riesensteak hat und ohne Barbecue keene Woche überlebt. Also kann man ab sofort uffn Anger jrillen, was uffn Rost passt. Das Anjebot richtet sich aber nur an Amis und andere Neureiche. Dem Machdeburjer wirds piepschnurzejal sin. 30 Euro für eemal Jrillerei blechen (*8)? Ohne Schmorwurscht und Bulette? Ohne mir! Für 30 Euro servier ich im Vorjarten für die janze Nachbarschaft zu Stulle mit Brot Lemsdorfer Lümmel und füll se alle mit Majistratsbier (*9) ab.

Kodderschnauzes Lexikon:
*1 – umjebammelt - umgehängt
*2 – Quanten - Füße
*3 – rinhauen - essen
*4 – Quasselkopp - Vielredner 
*5 – Dollbräjen – Oberster, Mann, der alles kann
*6 – Kleedaje - Bekleidung
*7 – Penunse - Geld
*8 – blechen - zahlen
*9 – Majistratsbier – sehr dünnes Bier
1936

26.3.2017
Flaumenaujust aus Fermerslehm
Juten Tach Kinnings,

unsre Machdeburjer Jungfrau kann ehm richtich leidtun.  Die Kahle (*1) steht sich schon seit ibber 700 Joahren die Quanten (*2) uffn Stadttor platt und hat wahrscheinlich eenen Krampf nach’m andern inner rechten Flosse (*3). Keen Kerl hat ihr je beim Dauerheben vom schweren Kranz unter die Arme jejriffen. Die Kleene ist arm dran – statt Spaß zu ham muss sie als Jungfrau sowieso schon immer uffpassen wie’n Schießhund. Und seit poar Taren fallen den Machdebujern ooch noch die Ooren raus (*4), weil nun sojar die jrößte Blindschleiche uff das Bild von Robin Zöffzich arkennen kann, dass unser züchtijes Mägdelein statt ner Bördeknolle ne Silikonbrust traren tut. 

Unterm ollen Otto wär das noch’n Skandal jewesen. Heutzutare stiern (*5) unjeniert sojar raine Beijeordnete vom Lutze druff. Ich tippe mal, dass unser Trümperchen das Orjinal schon längst injesackt (*6) hat. Der will seinen Nachlass kurz vor seinem „80.“ doch bestimmt ooch ins Stadtarchiv karren. Und damit das ibberhaupt eenen in 20 Joahren noch juckt, muss er was Frivoles dabei lejen. Diese Woche hat der Willi seinen Keller uffjeräumt und seinen janzen Krimskrams der Stadt jeschenkt. Ich habe läuten jehört, dass das Schärfste in die Umzuchskisten een Foto von nem nackten Elefanten uffn Ollen Marcht sin soll, uff dem der Willi reitet. In die linke Hand aber keen jrüner Ökokranz, sondern een Kristalljlas mit Sekt bis Anschlach drinne.

Das warn noch Zeiten, als unsre Oberbürjermeester durch die Stadt reiten konnten, ohne jleich inne nächste Baujrube zu plumpsen. Heutzutare völlich unvorstellbar!
 
Seit Tunnel-Trümper als Leichtbau-Lutze anner Täte (*7) ist, buddelt jeder, der nen Spaten halten und ne Steuernummer kriejen kann, nach Jold. In Machdeburch ist für jeden Blaumann Nachschlach drin. Und wenn nicht, denn wern die Bürjer zum Hüppen uffjestachelt – und schwupps, jibs willer was zum Versteifen. Aber wehe, du tust was im Stadtrat saren! Denn flaumt dich der Lutze jleich voll als wärste der Flaumenaujust aus Fermerslehm: „In Machdeburch jibs keene Staus! Wer das Gegenteil behauptet, braucht ne Brille.“ Ich weeß ja nicht, wie der Lutze morjens in seine Amtsstube und abends nach Alt Olvenstedt kommen tut. Wahrscheinlich jloobt der wie die meisten von unsre Stadträte voll im Ernst, dass sie Engel sind und deshalb fliejen können. Uff jeden Fall kann von die da keener in Stadtfeld oder Ostelbien wohnen. Und Zeitung lesen die ooch keene vernünftije mehr. Selbst die tut ihre Leser ja schon ans Harze lejen, ab 1. April besser mits Rad nach Stadt zu juckeln (*8). 

Und unsre halbnackte Jungfrau? Seit die wejen ihr verrutschtes kleenes Jrünes von jedem Dummdei (*9) durch’n Kakao jezoren wird, jloobt ja jeder, das er mit sie machen kann, was er will. Der „Playboy“ hat schon Sandra-Yvonne vonne MMKT anjebimmelt. Wollten die als Playmate buchen. Een Jobanjebot kam ooch von Beate Uhse – als Ladenhüterin. Die MVB sind jenauso heiß uff Ottos neues Luder. MVB? Höchststrafe für fromme Fräuleins! Musst dir nicht wundern: Wer mit Sprüche wie „Tunnel zu, was nu?“, umme Ecke kommt, der verjeht  sich ooch an silikone Jungfraun. Die ihr neues Loro sieht aus, als wär die Machdeburjer Torsteherin die Schutzheilije der Rendel-Gang. So ville Schwung wünschte ich mich uff die MVB-Baustellen ... 

Kodderschnauzes Lexikon:
*1 – Kahle - Mädchen
*2 – Quanten - Füße
*3 – Flosse - Hand
*4 – da fallen dich die Ooren raus – da fallen die Augen raus / erstaunt sein 
*5 – stiern – ungeniert auf etwas starren/gucken
*6 – injesackt - eingesteckt
*7 – anner Täte sein – in Verantwortung sein
*8 – juckeln - fahren
*9 – Dummdei - Schimp
1887

19.3.2017
Heike hat Schnappatmung
Juten Tach Kinnings,

ich nehm es die Heike nich for iebel (*1). Als Jleichstellungsbeufftrachte erwarten alle von sie, dass sie sich uffplustert (*2), wenn sich een Künstler zu ville Freiheiten rausnehmen tut. Wie jetze dieser Bagalute (*3) Robin Zöffzich. Der hat doch jlatt unsre Machdeburjer Jungfrau ohne Plauze (*4) und Wurschtlinge (*5) uffs Plakat für die Leipzijer Buchmesse jepinselt. Dafor aber mit ville Holz blank vor die Hütte (*6) und als dürres Hemde (*7). Die Heike litt uffe Stelle an Schnappatmung. Um sich abzureajieren, hat sie een Brief an Nitsches Rainer jeschriem, weil der Robins Bild richtich jeil findet. Er will sojar unserm Lutze ne Freude machen, indem er es koofen tut, um es ins Rathaus uffzubammeln (*8). Jeder Jang zum Trümpi soll schon im Foyer zum Verjnüjen wern. Jedenfalls für Kerle, Tunnelbauer, Schwule und Lesben.

Aber nicht mit Heike! Die Alice Schwarzer der Ottostadt fordert Jleichbehandlung von Jungfrau und Altmann. Denn mit Till Ulenspiejel ist uff Robins Rüpel-Bild ooch son zaddrijer Kerl zu sehen. Der darf sich sojar uff nem Hocker rumflätzen, während sich die Dürre mit dem straffen Busen mit hochjestrecktem Arm uffn Stadttor die Quanten (*9) platt stehen muss. Wenn der Nitsche nicht als Werbeheini für Silikonbrüste oder als Lobbyist des Machdeburjer Prosti-Jewerbes inne Stadtchronik injehn will, denn muss der Till ooch blank ziehen und stolz den Hoden zeijen. Tut die Heike saren. Das meint die im Ernst! Ich ibberleje noch, ob die im Kloster uffjewachsen ist oder doch mannstoll ist. Nicht dass die denken tut: Wer will, dass uffe Buchmesse so ville Machdeburjer Bücher wies nur jeht, anjejrabbelt wern, der muss eenen blitzsaubren Stand ham. So een offenherzich-barbusijes Drahtjestell (*10) jeht da mal jar nicht – da drehen womöchlich alle anjewidert um und schlurfen (*11) pikiert vors Hallenser Bücherrejal. Da lächelt, janz korrekt, der Händel als Retro-Kupferstich uffe Literaten.

Irjendwie passt der empörte Uffschrei von Heike Ponitka inne letzte Woche. Denn wer wie Robin die Welt sieht, der kann ja nur durchs jrandiose Bildungssystem von Sachsen-Anhalt jaloppiert sein. Als Robin die Schulbank drückte, jabs sojar noch das anspruchsvollste Abi von janz Deutschland. Heute jibs das nicht mehr. Kann ooch nicht, denn wir ham ja nur noch 99,5 Prozent Volksbildhauer (*12). Das ist schon wenich, aber als Land mit dem höchsten Altersdurchschnitt, jeht das ooch nicht spurlos an die vorbei. Lehrer fallen bei jeder Jrippewelle um wie die Fliejen - und schwuppsdiwupps tun wir an jrauen Taren bei 80 Prozent liejen. Jloobste nich? In Wernijerode jabs die Woche jar keenen Unterricht mehr, in Gossau unterrichten Eltern vor lauter Verzweiflung. 

Liebe Heike, liebe Jleichstellungsbeufftrachte iberall ins Hasilans: Macht euch keenen Kopp! Das rejelt sich bei uns von janz alleene. Die nächste Jeneration stolpert mit so ville Wissenslücken aus die Schule, dass keener mehr als paar Strichmännchen uffpinseln kann.

Wenn wir Jlück ham, reicht es noch, um bis 79.870 zu zählen. Das muss man aber ooch nur können, wenn man im Machdeburjer Jrünflächenamt eenen Job will. Aber die jehen ooch schon mit der Zeit und lejen die Messlatte jedes Jahr bisschen tiefer. Letztes Jahr musste man noch bis 82.820 zählen können. Ohne Finger! Denn jenau so ville Jrünkram lassen die jedes Frühjahr in Lutzes Beete buddeln. Das Amt muss nachzählen. Haarjenau müssen davon 50.420 Stiefmütterchen sein. Uff 4,78 Elbröwer hat een Mütterchen zu sein. Das muss passen, sonst lassen alle die Köppe hängen wie Heike wejen die Jungfrau ... 

Kodderschnauzes Lexikon:
*1 – nich for iebel nehm – nichts verübeln
*2 – uffplustern – aufregen
*3 – Bagalute  -  Rüpel, Radaubruder
*4 – Plauze - Bauch 
*5 – Wurschtlinge - dicke Finger
*6 – Holz vor der Hütte - großer Busen)
*7 – dürres Hemde – dünner Mensch
*8 – uffbammeln - aufhängen
*9 – Quanten - Füße
*10 – Drahtjestell – sehr dünner Mensch
*11 – schlurfen – schwer gehen
*12 – Volksbildhauer - Lehrer
1809

12.3.2017
Bunte Stadt an die Scherbelsberje
Juten Tach Kinnings,

in Flimmerkistenkreisen ist unser schönes Machdeburch bekannt für ne kloare Sproache, für schräje Typen und für Zipperlein (*1), die man sich hier an jeder Ecke infangen können tut. Seitdem unser Willi mit die Buja 1999 ooch den ZDF-Fernsehjarten inne Stadt jeholt hat, sind die Fernsehfritzen alle Nase lang bei uns unterwejens. Neuerdingens wird sojar der West-„Tatort“ inner westlichsten Jroßstadt des Ostens jedreht. Allerdings halten die ihre Linse so, dass man nix sieht von unsereens. Die kommen also nicht etwa wejen unserm schönen Kristallpalast oder unsre wetterfeste Hyparschale nach Machdeburch. Nee, die jurken (*2) hier rumher, weil es hier so ville bunte Vöjel jeben tut, die perfekt als Schwabbelbauch (*3), Strubbelkopp (*4), Flaumenaujust (*5) oder Knastbruder durchjehen. 

Und natürlich weil wir den coolsten Knast der Welt ham. Einsam, verlassen, nutzlos. Aber - immer Jewehr bei Fuß (*6), wenn man mal was mit Jittern braucht. Das Sahnehäubchen unserer Retro-Schwedenjardinen inner Sudenburjer Wuhne sind die Keime, die da rumherfliejen. Da jehste rin, guckst ne Runde doof und kommst mit Wut willer (*7) raus. Mit Tollwut, um jenau zu sein. Klappt jarantiert, wenn du da rumschnarchst (*8). 

Ich finde, da sollte sich „Pro M“-Jeorch mal drum kümmern. So een tollwutversifftes Kabuff (*9) kann man doch bestimmt jut fürs Stadtimage vakoofen.  Vielleicht als Ottos Pumpenhaus oder als Telemanns Kaffeestube. Bisschen bunt anjepinselt, und schwupps, schon jloobt jeder Japaner, dass die Spinnekakel (*10) schon seit’m Mittelalter da rumbammeln (*11). 

Bunt anpinseln ist eh jerad voll in Mode. Mit die Otto-Richter-Straße jings los. Denn kam Friedensreichs jiftjrüne Zitadelle und nun balle unser Rathaus. Wenn das so weiter jeht, kann Jeorch jleich ne neue Kampagne in Jang setzen: „Bunte Stadt an die Scherbelsberje“. Manchmal ist was Neues janz hilfreich. Seit wir nicht mehr so frieh uffstehn müssen, hat die Bahn Millionen verballert, damit wir es noch nach München schaffen, wenn wir erst Mittach aus die Federn kommen tun. Balle brauchste mit dem ICE statt sechs Stunden nur noch dreie. Mit 250 Sachen kracht der Zug durch die Landschaft. Hat nur een Haken: Erstmal musste es bis nach Halle kommen. Und das kann dauern ...

Im Zug läufste ooch nicht Jefahr, mit die wilden Bestien aus unsren Heimatwäldern zusammenzukrachen. Das Wildjetier ist völlich außer Rand und Band. Statt es sich im Unterholz jemütlich zu machen, rammeln Hirsch Heinrich und Ferdi Fuchs ohne Rücksicht uff Verluste  ibber die Straße. Statt mal nach links und rechts zu gucken, loofen tächlich 38 von die jenau vor een Auto. Das sind dreimal so ville wie vor 20 Joahre. Nun rätselt unser Innenminister Holjer, woran das woll liejen tun könnte. Wahrscheinlich ist das Wildjetier so nachtaktiv, weil es ja nun nicht mehr früher uffstehen muss. Und uff der verzweifelten Suche nach dem Ursprung der Reformation kommen Rot- und Schwarzwild schonmal uff Abweje. Bisschen Schwund ist immer.

Kodderschnauzes Lexikon:
*1 – Zipperlein – kleine Krankheit/Schmerz
*2 – rumjurken – herumfahren
*3 – Schwabbelbauch – dicker Bauch
*4 – Strubbelkopp – ungekämmte Haare
*5 – Flaumenaujust – Schimpfwort
*6 – immer Jewehr bei Fuß – stets bereit
*7 – willer – wieder
*8 – rumschnarchen – umsehen/umgucken
*9 – Kabuff – kleine Kammer/Raum
*10 – Spinnekakel – Spinnengewebe
*11 – rumbammeln - herumhängen


5.3.2017
Luthers Plumsklo
Juten Tach Kinnings,

mich war das ja schon immer kloar wie Kloßbriehe, aber seit letzte Woche jibt’s das schwarz uff weiß: Wir lehm in eem Bundesland, das so schön ist, dass die halbe Welt zu uns rammeln (*1) tut. Also wenigstens so ville wie noch nie: 3,2 Millionen Jäste in nur eenem Jahr. Das hat die janze Welt noch nicht jesehen. 

7,8 Millionen Ibbernachtungen letztes Joahr in die Herberjen vons Hasiland – na, das kann sich doch sehen lassen. Sind jijantische 2,4 Prozent mehr als vorletztes Joahr. Dafor hat der Carlhans Uhle, was unser Ober-Landesmarketingverpingler ist, jlatt nen Nobelpreis verdient! Sein Chef, also der Willingmann ausm Wirtschaftsministerium, ist vor Bejeisterung jleich anne Decke jehuppt (*2): „Wir werden schon sehr bald die 8 Millionen-Marke erreichen!“ Ja klar doch! Jibt schließlich mehr Jründe, sich inner Wieje der Reformation eene Nacht uffs Ohr zu hauen (*3) als mit FDP-Kubicki eenen Tach inner Türkei zu verpennen. 

Sachsen-Anhalt ist zum Beispiel das einzije Bundesland vons Universum, dass erst den halben Harz unter Naturschutz stellt und sich denne wundern tut, dass man da ja jar nicht mehr bauen darf. Das Erjebnis kannste balle in Schierke begucken – bei die einzige Seilbahn der Welt, die die Berchstation im Tal hat.

Oder guck dich Rothensee an. Das einzije baumlose Dorf östlich der Alpen plant den jrößten Weltrekord, der je in Holz jeschnitzt wurde: Die Inwohner leihen sich jemeinsam eene Baumfräse aus, die so lange Baumstümpe kleen häckselt, bis sie ihren Jeist uffjeben tut. Schafft sie mehr als 3.000 an eenem Tach, ist  sie die Beste ins janze Universum und kommt wahrscheinlich aus’m Ural.

Nach Sachsen-Anhalt strömen die Leutchens neuerdings ja ooch wejen Luthers schweineteurem Scheißhaus. Jedenfalls soll Martins Plumsklo mehr jekostet ham, als ne vernünftije Ausstattung von unserer Polente. Tut GdP-Landeschef Uwe Petermann steif und fest behaupten. Alleene das Abenteuer, eene Sitzung uff Luthers Topp ohne Polizeischutz zu überstehen, wird die Chinesen in Scharen anlocken.

Sojar Machdeburch mischt beim Reise-Uffschwung munter mit. Die Stadt will sich ab 1. April weltweit als Fitness-Stadt für Rad-Touristen in Stellung bringen. Also diesen jenialen Schachzuch ham wir unserm Überfliejer Didi Scheidemann zu verdanken. Der hat mit Bahnchef Grube monatelang uffn Jolfplatz abhängen müssen, um ihm das Versprechen abzuringen, uff jar keenen Fall ne Fahrradschiene an die Bahnhofstreppen anzuschrauben. Die Leute kriejen ihre Drahtzicken uffjehuckt (*4), wenn se die nächsten 21 Monde nach Stadtfeld wollen. „Polster&Pohl“ hat schon Radreisen nach Machdeburch unter dem Motto „Didis Draretasche“ (*5) uffjelegt. Vakoofen (*6) sich wie jeschnitten Brot.

Alleene wejen die Gucklöcher uffn Domplatz wern uns die Amis die Bude inrennen. Ne 3000 Jahre olle Feuerstelle finden die in ihre Rocky Mountains die nächsten 1000 Winter nicht. Und da unser Didi (also unser Jolfspieler mit’m Hang zum Extremsport) die Gucklöcher mit Muttererde zustoppen (*7) will, muss janz Amerika balle anricken, um noch een Oore (*8) zu nehmen. 

Der Kracher aber ist die Idee vom varückten Falko, dem SPD-Stadtchef. Normalerweise kennt so een Sozi ja nur zwee Farben: Rot und weiß. Alles für die Grube – der Falko Taut uff. Will unser Rathaus anpinseln wie die Villa Kunterbunt, damit ooch der letzte Sudenburjer Kulturbanause mitkriejen tut, dass Machdeburch 2025 Kulturhauptstadt wern will. Fehlt nur noch, dass der Falko und der Rest der Stadträte mit ihre langen Loden (*9) selbst in Farbtopp fallen.

Kodderschnauzes Lexikon:
*1 – rammeln - herkommen
*2 – jehuppt – gesprungen
*3 – uffs Ohr hauen – schlafen gehen
*4 – uffhucken – überhelfen, schwer tragen
*5 – Draretasche – Tragetasche
*6 – vakoofen – verkaufen
*7 – zustoppen – zustopfen/verfüllen
*8 – een Oore nehmen  - ein Auge nehmen/gucken
*9 – Loden -
1652


24.2.2017
#LastNightInSudenburch
Juten Tach Kinnings,

#LastNightinSudenburch: Inne Tasche von Manfred Maaß Jacket is ne Freikarte fürs Spitzenspiel Roter Stern jejen SV Seilerwiesen jerutscht. Autsch! Wahrscheinlich hat se ihm Jeschäftsstraßenmanager Micha Hoffmann zujesteckt. Das hat das linke Müllerchen jeschnalltt (*1) und anne jroße Jlocke jehängt. Jetzt sind die Jungs von TuS II stocksauer. Sie wollten doch den Deal mit die Investitionsbank. Neue Tornetze brauchen die ooch.

#LastNightamDomplatz: Im Dustern (*2) krauchen paar Schwarzvermummte durch die Walachei (*3). Mit Schraumschlüssel inne Pfoten (*4) klempnern die sämtliche blauen Papierkörbe ab und nareln die rings umme Heinz-Krüjel-Arena willer dran. Ufftrachjeber soll een jewisser Olaf Meester, jiftjrüner Stänkerkopp (*5) mit’m Hang zum Barocken, sein. In Salbker Hinterzimmern hat der Meester wochenlang mit’m Flotten-Präsi jekungelt: „Du schraubst mit deine Ultras die blauen Körbe ab und ich sorje dafür, dass du die behalten kannst.“ 

#LastNightinCochstedt: Freudenfeuer uff die verwaiste Betonpiste am Hakel-Huckel (*6). Das Willingmännchen hüppt mit’s Hasenfüßchen und’s Schröderchen uffjedreht umme Flamme drumrum. Mit alle sechs Pfötchen schmeißen sie 5-Euro-Scheine inne Flammen. Seit drei Taren jeht das schon so. Das wärmt ihre Herzen und soll ooch billijer sein als noch paar Joahre Landeslandeplatz ohne Landezeuje. Jrund der hitzijen Freude: Amazon und Alibaba reißen sich umme einsame Piste inner Pampa. Endlich. Zwar macht denn balle ooch die letzte Butick (*7) in unseren Städten dichte, aber dafür ist am Hakelrand Betrieb wie uff Malle im Hochsommer.

#LastNightimHarrnkruch (*8): Treffen sich im Mondschein zwei asiatische Laubholzbockkäfer. 
Zwischen zwee Bissen lecker Laubholz mümmelt der eene zum anderen: „Wir müssen uns mit Machdeburch beeilen, denn das Tümperchen ist schlau. Der hackt uns alle Bäume vor die Nase wech. Letztes Joahr 1.388 Stadtbäume, 70 Prozent mehr als vorletztes Joahr. Plus mindestens jenauso ville von privat. Und seit dieser Woche haut Birjits Holzfäller-Armee den Rest um. An der Raiffeisenstroaße und am Glacies zwischen Ring und Albert-Vater-Stroaße bleibt keen Boom und keen Strauch stehen. Bald schieben wir hier Kohldampf (*9) wie Urjroßvater in China.“ 

„Ja“, tut daruffhin das andere Käferchen schmatzend saren: „Wir tun eene schicke Werbekampagne brauchen.“ Da fällt das erste Käferchen fast vom Boom: „Ich habe jestern jelesen, wie die Hochschulen von Sachsen-Anhalt für volle Hörsäle werben. Mit dem Spruch ,Werde, wovon du immer geträumt hast’.“ Da schielen sich beede Käfer verschmitzt an und brechen in lautes Prusten aus: „Da melden wir uns: Wir machen hier unser Fressraupen-Master, bleiben hier und beißen uns durch.“

Kodderschnauzes Lexikon:
*1 – jeschnallt – bemerkt haben, mitbekommen
*2 – im Dustern – im Dunkeln
*3 – Walachei - Wildnis
*4 – Pfoten - Hände
*5 – Stänkerknopp – Stänkerfritze, Mensch, der andere ärgert
*6 – Hakel-Huckel – Hakel, Höhenzug im Vorharzgebiet
*7 – Butick – Boutique
*8 – Harrnkruch – Herrenkrug
*9 – Kohldampf schieben - Hunger haben
1559

17.2.2017
Mits Rad von Ottoslehm nach Ottostedt
Juten Tach Kinnings,

man soll ja nicht alles jlooben, was so inner Zeitung stehen tut. Aber das mit die jrandiose Otto-Kampagne, das jloobe ich die uffs Wort. Nach die neueste Vitale-Städte-Umfrare ist das mit die Ottolei ja woll injeschlaren wie ne Bombe. In Machdeburch weeß inzwischen jedes zweete Kind, dass es eijentlich jar nicht Chantall oder Jisbert heißen tut, sondern Otto. Unser „Pro M“-Jeorch soll woll schon mit das Trümperchen die Köppe zusammenjesteckt ham, um uffn nächsten Stadtrat die Umbennung von Machdeburch zu beantraren. 

Ich kann die da nur zustimmen. Wird ja woll immer kloarer, dass uns die halbe Welt jar nicht mehr unter Machdeburch kennen tut, sondern nur noch von MetrOTTOpole schwärmt. Da dürfen wir jetzt keene Kleinjeister mehr sin, da müssen wir jetze ooch mal konsequent sin. Der jüldne Reiter uffn Ollen Marcht muss in „Otto mit Jaul“ umbenannt werden, die Hyparschale in „Ottos Winterjarten“, der Katharinenturm in „Ottos Lulatsch“ und der Magdeburger Ring in „The Ring of the Otto“. Ich würde ooch empfehlen, dass in Machdeburch nur noch wecke Oberbürjermeester werden dürfen, die Otto heißen tun. Klingt ooch ville besser als Lutze oder Willi. Kannste jlooben: Sowas Bombijes hat keener uffe Welt uff Tasche. Sowas kommt an. Oder jleich her, wie letzte Woche dieser Bombenkerl (*1), der im Intercity-Hotel uff Fettlebe (*2) jemacht hat. 

Als es ans Bezahlen jing, hat ihmchen een Zettel jereicht: „Ich habe eine Bombe jemacht!“ Vor lauter Dankbarkeit über den Wisch hat die Hotelleitung uffe Stelle alle anderen Jäste anne frische Luft jesetzt, und mit Suchhunden in jeder Ecke nach weiteren Schriftkrams jesucht. Und tatsächlich: Inner Besenkammer lag noch een Klebchen (*3): „Find eure Ottostadt so bombastisch, dass ich mir noch weiter umgucken tue“.

Hat er denn ja ooch jemacht: Uff seinen Wech von Ottostedt nach Ottosleben hielt er vor lauter Bejeisterung sein Jachdmsser für eenen Zahnstocher und die Reifen von fumfzich (*4) Autos verwechselte er mit Blasen ins Zahnfleisch. Vor lauter Bejeisterung hat sich der verwirrteste Ottofan unter der Sonne jeden Tach eene Zijarre anjesteckt . Die Streichhölzer schnippste er so bombensicher ins Schwarte (*5), dass sie schlachjenau (*6) in verlassene Villen, uff Sportheimterassen oder uff anderes Brennmaterial landeten. Der Funke zündete und in die anjesteckten Immobilien floch alles durchnander. 

So wie bei die Polente. In die Stahl jeknechteten Polizeidirektionen von Reiners varücktem Hasenstall fliegt die Chefs dummerweise ooch jerade alles umme Ohren. Meint jedenfalls GdP-Vorsitzender Petermann. Weil da von 1500 Polizisten nur 350 een Dienstjrad hochjerutscht sind, schieben die meisten mehr Frust als Ibberstunden vor sich her. Wejen paar Schlitze in Reifen oder paar abjefackelte Bruchbuden bewegt da keener mehr seinen Hintern. 

Und bei uns jehts ja noch. In Halle stehn se schon vor eener Hungersnot: Letzte Woche wurden 5 Pizzaboten überfallen. In Worten: Fümfe!

Keen Wunder, dass jetze keene Sau mehr nach Sachsen-Anhalt will. Nicht mal jejen Jeld und jute Worte. Seit zwei Joahren jibs zum Bleistift dieses Darlehensprojramm unterm Motto „Sachsen-Anhalt Zukunft“. Millionen könnten da die Leutchen abjrasen, wenn se nur ihren Krimskrams mitsamt Kind und Kejel (*7) nach Dessau-Roßlau oder nach Mansfeld-Südharz bewejen tun. Und jetzt rate mal, wie ville das wollten! Du jloobst es nicht: Janze drei Darlehen sind seit 2015 rausjejangen. Nicht mal in das dazujehörige „Welcome-Center“ verirrt sich noch eener: 200 Anfraren in drei Joahren. Das ist jede Woche man jerade eene. Und alle per E-Mail. Also tot macht sich da keener.

Kodderschnauzes Lexikon:
*1 – Bombenkerl – kerniger Typ
*2 – uff Fettlebe machen – es sich gutgehen lassen
*3 – Klebchen - Klebezettel
*4 – fumfzich - fünfzig
*5 – ins Schwarte – ins Schwarze
*6 – schlachjenau – haargenau, mitten ins Ziel
*7 – Kind und Kejel – leibliche und nicht leibliche Kinder
1510

5.2.2017
Stadt der Freaks
Juten Tach Kinnings,

unser Machdeburch ist der Nabel der Welt. Clubfans wissen das ja schon länger, aber balle (*1) wissen das alle Glotzen-Kieker (*2). Na echt mal: Die „Tatort“-Leutchens hätten doch in jeder Stadt vons Schland ihren Außendreh machen könn. Aber nee, sie komm nach Machdeburch. Und weeßte warum? Weil se ne Stadt voll Charaktertypen suchen. Echte Kerle, wecke mit Mumm, jeile Weibsbilder, wecke mit Haare uffe Zähne. Ist kloar wie Kloßbriehe: Sowas looft dich in Machdeburch ständig übern Wech. Wo du hinjaffst – iberall schräje Vöjel mit so jeile Klamotten übern Balch, wie sind nirjends mehr. Sehen aus wie selbst jenäht: Druff stehen Namen wie Camp David oder Uncle Sam. Sowas traren nur Machdeburjer! Uff.

Seit bekannt ist, dass der Dortmund-Tatort in Machdeburch alle Freak-Szenen drehen will, drehen die Machdeburjer durch. Alle wollen mit dabei sein. Die Friseure rasieren im Akkord den Kerlen die Rüben rund, vor den Tätowierstudios jibs schon Schlangen, Piercings sind Bückware (*3) und nur noch mit Hilfe rumänischer Ehrenmänner ranzukriejen. Die Fernsehfritzen müssen jeahnt ham, dass der injeborene Elbröwer (*4) abjeht wie Schmidts Katze: Erjibt sich ne Chance für een Zehntelsekunden-Selfie beim Tatort-Schwenk über Olvenstedt , denn ist der Kaiserpfalz-Ottone nicht zu halten.

Unsere Jäjer warn die ersten, die sich in Stellung jebracht ham. In nich mal drei Stunden ham die 65 Wildschweine, 30 Rehe und 6 Füchse umme Ecke jebracht. Na, wenn das keene Empfehlung fürn blutrünstijen Tatort ist! Little Joe, was der Chef der Kreisjägerschaft ist, hat schon anjeküdigt, dass man notfalls ooch in Cowboyhut, Fransenhose und Pokerface mitmacht.

Unbedingt uffe Mattscheibe will die Politessen-Abteilung Süd. Alles coole Socken, die sich nicht abwimmeln lassen. Das beweisen sie seit Wochen in der Försterstraße. Da fliejen die schon Blumentöppe aus den Wohnungen umme Ohren, aber sie machen mutich weiter Jachd uff Falschparker. Ooch die Camper vom Barleber dürfen als unerschrockene Charakterköppe nicht fehlen. Wer die Stadt vor Jericht inne Knie zwingen tut und 9.510,88 Euronen Badekostenpauschale zurückkriegt, ist definitiv een Kämpfer mit Mumm. 

Nicht zu verjessen die beeden Janoven, die letzte Woche een Laden nach dem andern überfallen ham. Für den TV-Ufftritt ham die ihre Utensilien jleich am Mann: Schreckschussknarre und Nylonstrümpe. Perfekt! Als Adams-Family aus dem Bördekreis haben sich die Nathusiusse aus Haldensleben beworben. Jetzt könnse ooch willer uffs Mifa ins Bild rollen.

Anna Henkel, die schönste Studentin der Stadt, würde fürn Tatort sojar von RTL ins Erste wechseln. Unsre doppelte Bachelor-Braut wär ne optische Bereicherung fürs Machdeburjer Freaktreffen. Unser Oberbürjermeester hat sich letzte Woche natürlich ooch für die TV-Kameras warm jeloofen. Er hat zwar keen Tatoo, aber er hat den jrößten Kuchenzahn östlich der Alpen. Alle halbe Joahre lädt der die treuesten Seelen unter unsere Rentnerchen ins Rathaus in, damit der denen den Kuchen vor die Runzelnase wechfuttern kann. 

Janz zu schweijen von den Jlatzköppen aus dem LKA, die jern als Türsteher im Tatort posieren. Die kampferprobten AFD-Abjeordneten sind für die Rollen als schwankende Teiten (*5) wie jemalt. Als Bodybuilder kommen die Bauarbeeter vom Südring in Frare. Die ham so schicke Muckis, weil sie seit eenem Jaohr tachin tachaus damit beschäftigt sind, die Jleise von eene Straßenseite uff die andere zu hucken (*6). Desderwejen jehts da ooch nicht vorwärts.

Kodderschnauzes Lexikon:
*1 – balle - bald
*2 – Glotzen-Kieker - Fernsehgucker
*3 – Bückware – seltene Produkte
*4 – Elbröwer – Elbestädter
*5 – Teite – großer, kräftiger Mann
*6 – hucken – schwer tragen
1417
29.1.2017
Friedenspiepe
Juten Tach Kinnings,
Michael Hoffmann hat die Hoffnung uffjejeben, in seinem Lehm noch mal aus Sudenburch rauszukommen. Der straßenmanagende Stadtrat ist injesperrt uff seine „Halber“. So entjeht ihm zwar nüscht, aber langsam jrenzt es an Inzucht. Deshalb hat er der bauwütijen Birjit vonne Machdeburjer-Vallen-Brijade (ich weeß, dass man Falle nicht mit „V“ schreiben tut) den Sudenburjer Frieden anjeboten. Hoffi aus Süd ist echt ausjebufft (*1). Der hat mit die einzije schnelle Internetleitung aus Sudenburch jegoogelt, dass der Westfälische vor 368 Joahren in Münster vereinbart worden ist. Jenau: Frau Münster muss sich alleene desderwejen die Friedenspiepe anstecken. Und denn hat’s der Michel von der Trutzburch jeschafft, dass Bau-Birjit nach jefühlt 300 Joahren „Bau-ern-krieg“ die Kreuzung räumt. Freie Bahn für’n Durchmarsch von Hoffis jrünen Daumen. Während in Nord der Käfer die Jejend leerfrisst, bläst der Michel von Süden her mit „Sudenburch jrünt“ zur Attacke. Ist Hoffis Jrünzeuch erst mal übern Südring, denn rankelt es noch diesen Sommer bis zum Barleber. 

Für den Fall, das der Sudenburjer Friedensstifter nicht zum Zure kommt, ist der Innenminister jerüstet. Er würde den Südring mit seiner neuen Friedensarmee umstellen. 40 Wachsoldaten hat er sich dafür jenehmigt – 215 Bewerbungen jabs. Da konnte der Holjer mäklich sein. Jut so: Nie wieder will er sich wie beim Schomaker verjaloppieren (*2). Erst frisst ihm der Machdeburjer Polizeipräsident aus die Pfote und nun sowas. Nix hat der sich zuschulde kommen lassen: Keene Sauforgien im Schießstand, keene Spritztouren mit der jrünen Minna (*3), nicht mal Weiber zum Frauentach. Der Typ ist sauberer als die Landtachskantine nach ner Ata-Orgie. Doch als er als Jeheimwaffe im uffrejenden Landesverwaltungsamt den Verbraucherschutz im Lande retten sollte, stellte sich Schomi verquer. Mensch Junge, nu hab dich doch nicht so! Menno, bleibst doch im Schutzjewerbe. Das ist echt een Hammerjob in Halle. Jibt ooch ville mehr Verbraucher als Ganoven. Wir brauchen Dich! Schütz uns vor faulen Eiern, warne uns vor Schimmelbrot, bewahre uns vor Aktien-Haien.

Mich schwant, der will trotzdem nicht.  Nun jeht unser Land vor die Hunde. Der stählerne Holjer klammert sich an eenen letzten Strohhalm - an seine Wachpolizisten ohne Kompetenz und Knarre. Die sollen jetzt janz enerjisch - mit Wattebällchen werfen. Klappt das ooch nicht, will der Minister sich umhorchen. Also dem Volk uffs Maul schauen. Hat er sich bei unsrem Machdeburjer Dollbräjen (*4) abjepaust (*5).

Überall, wo Streit ist, schickt unser Rathaus-Doktor eenen vor, der die aktuelle Nörjelquote checkt. Beim „Machdeburjer des Joahres“ musste die Volksstimme ran. Sproachübung mit das Volk im Saal: „Saren se ma alle Ot-to-ni-a-num!“ Den Singsang hat die Jabi Köster vons Kunstmuseum uff ihr iPhone uffjenommen und spielt es seitdem jedem Kulturbanausen vor: „Hört Ihr da einen Verhaspler?“ Nun ist die Sache jeritzt (*6). 

Jefragt werden sojar die Leutchens inner Altstadt, wo sie denn jern ihr Bürjerbüro hätten: Leiterstraße oder Breiter Wech. Schade, dass die neue Umfrageritis nicht schon poar Joahre eher in Mode jekommen ist. Denn hätte unser Dollbräjen die Bürjer entscheiden lassen, ob und wecke Bürjerbüros dicht jemacht werden, ob der Tunnel tief jenuch ist, wie ville uns die Hyparschale wert ist oder ob een Stadion ohne Stehplätze echt jeil ist. 

Ich jloobe, die halten neuerdings das Ohr so ofte anne Masse, weil sie Schiss ham: Vor Salz und Mehl. Beedes wird neuerdings jern in kleene Umschläje vaschickt ...

Kodderschnauzes Lexikon:
*1 – ausjebufft - clever
*2 – verjalopieren – verrennen/irren
*3 – jrüne Minna - Polizeiauto
*4 – Machdeburjer Dollbräjen - Oberbürgermeister
*5 – abjepaust – kopiert, abgeguckt
*6 – die Sache ist jeritzt – geht klar
1295

22.1.2017
Wintertipps von Dr. L. Sommer
Juten Tach Kinnings,
eens sare ich dich und mehr sare ich dich jar nicht: Wens trifft, den triffts. Denn das Lehm in Machdeburch ist balle so jefährlich wie inne Bronx. Letzten Dienstach, du jloobst es nich, steht doch so een Ahnungsloser anner Mauer beim Freibad Süd, um zu kiecken, ob schon balle losjeht mit die Schwimmerei. Und schwupps – stichts ihm im Hals. Mit bisschen Mühe popelt (*1) der een Diabolo unters Kinn vor.  Die Polente (*2) kann sich keen Reim druff machen. Ich sare dich, was los war: Da ist een Dösbaddel (*3) rumbaldowert, der sein Luftjewehr mit ner Winchester verwechselt hat und jloobt, er sei Billy the Kid. Wenn eener dumm jeboren is und nischt zujelernt hat, dann isses eben Essich. 

Paar Stunden später am andern Ende vonne Stadt. Da steht sich eener wie ne kaltjewordne Bratkartoffel anner Haltestelle Pettenkofer de Beene in Bauch, als een Pedalritter ausrastet. Fährt erst mit seiner Hämorridenschaukel vorbei, dreht um und haut den armen Kerl mit dem Kettenschloss übern Deetz (*4). Ruft noch eener dazwischen „Mach ma keene Sperenzjen“ (*5), aber zur Belohnung kriegt der ooch noch eenen ibberjezoren.  

Jefährlich ist inzwischen sojar een Spazierjang durch die Kreuzhorst. Wejen fletschende Wölfe. Letzte Woche ham die bei Calenberje een Reh kurz und kleen jerissen. Vor paar Monaten hat Meister Isegrimm sojar das örtliche Reiterkränzchen so dolle erschreckt, dass die Mädels der Reihe nach vom Pferd jefallen sind. 

In Machdeburch kannst nachts nicht mal mehr zu Bette jehen, ohne Angst zu haben, am nächsten Morjen entweder schwanger oder als Vater uffzuwachen. Echt mal, das passiert immer mehr Leuten, die von tuten und blasen, wie das jehen tut, keene Ahnung haben. 2399 Jeburten in 2016 – das sind dreieinhalb pro Tach – so ville wie seit’m Erich mit Ehekredit und Neubauwohnung nicht mehr. Unserm Dollbräjen Lutze sind die Schlafzimmer-Orjien jar nicht recht. Uffe Gala für die „Machdeburjer des Jahres“ hat er die Leute anjefleht, bisschen wenijer (na, du weeßt schon) rumzumachen. Seine neuen Kinderjärten wern doch erst 2018 fertich und mit der Container-Jrundschule am Westring wird’s ja nun ooch nüscht. Er braucht jeden Cent für’n Tunnel. Deshalb bettelt er um Enthaltsamkeit und jibt als Dr. Lutz Sommer winters wichtije Nachhilfe: „Wo nischt rinkommt, kommt nischt raus!“
Wär ich nicht druff jekommen. 

Aber wer nun trotzdem noch uff Deibel komm raus flötet, bis die Heide wackelt, na der muss seine Bälger eben ooch in eener Heide-Kita uffn Topp setzen lassen.

Sojar unser Ministerpräsident hat jeschnallt, dass inner Landeshauptstadt jerade Sodom und Jomorrha das Saren haben tun. Uff dooben Dunst hat der sich hastig inner Marktkirche Halle uffe Kanzel jestellt und jepredigt. „Sturmböen“ war’s Thema aus’m Matthäusevangelium, Kapitel 8. Ich war nicht dabei, aber man weeß ja, was er zu saren hat: Kopp inziehen, Sturm trotzen, friedlich bleiben, willer inkriejen. Und die, die es nicht tun, müssen wissen: Kummer muß sind, denn daderfier is er ja da. Und denn wird er woll das Jlücksspiel wärmstens empfohlen  haben. Schließlich kann sich ja ooch een Pechvorel aus Reiners Reich mao inne Schlachsahne setzen. 

Daruff hoffen ville: Keen anderes Ossivölkchen setzt so uffs Jlück wie wir. Für 81,12 Euro hat jeder Sachsen-Anhalter letztes Joahr Lotto jespielt. Macht 5,76 Euro mehr als die andern. Für die allermeisten aber wars jehuppt wie jesprungen (*6) – außer Spesen nüscht jewesen. Abjesahnt hat nur der Hasi – von die 189,3 Millionen Innahmen hat er fast die Hälfte injesackt. Da kam mal was raus, ohne das der Hasi was rintun musste.

Kodderschnauzes Lexikon:
*1 – popeln - herausholen
*2 – Polente - Polizei
*3 – Dösbaddel - Dummkopf
*4 – Deetz – Kopf/Schädel
*5 – Sperenzjen – Ärger
*6 – jehupt wie jesprungen – egal sein
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15.1.2017
Wo sich Tulli und Hasi jute Nacht saren
Juten Tach Kinnings,
letzte Woche war mich so, als ob der liebe Jott die Machdeburjer Autofahrers anne Kandarre (*1) jenommen hat. Uffn Ring, da hattste doch den Indruck, das Schmidtchen Schleicher mit seine janze Muschpoke (*2) uff Achse ist. Keen Wunder, dass se alle uff der Bremse stehen wie Opa Willi mit Hut. Wenn schon eene Woche vorher inne Zeitung steht, dass jleich an fünf Stellen uffn Ring fotejrafiert (*3) wird, bis die Linse beschlaren ist, denn stehn nun mal alle uffe Bremse. Das Leben ist zu teuer, um es wejen paar Minuten schneller ankommen, dem Lutze in Rachen zu schmeißen. Denn da kennt unser Dollbräjen (*4) in Machdeburch keen Paddonk (*5): Wenn zu Lutzes Fuhrpark schon een Blitzer jehören tut, denn darf der keene Spinnetakel (*6) ansetzen. Das Dingens muss raus anne Luft, damit der Rubel rollen tut. Irjendwo muss doch die Penunse (*7) für Tunnel, Kinderjärten und Sprungfedern fürs Stadion herkommen.

Wer in Machdeburch, Sachsen-Anhalt, leben will, der muss diesen Luxus teuer bezahlen. Zum Beispiel beim Strom. In keen anderes Bundesland zahlste mehr Netzentjelt als hier, wo sich Tulli und Hasi (*8) jute Nacht saren. Teuer ist jesund, weil man mit wenich Jeld nicht ville Fett ansetzen kann. Und jesund lebste in Sachsen-Anhalt uff jeden Fall. In Halle und Stendal ham Milchbauern bejonnen, vor Supermärkte Milchautomaten uffzustellen. Da krieste den Eutersaft noch warm in Becher injetrichtert. Ohne Tretrapack oder andres Plastikjelumpe. Und die Innahmen kann das Bäuerchen alleene behalten. Jeniale Idee! 

In Halle vakoofen sie die Milch aus dem Automaten-Euter als Uffputschmittel für müde Männer. Een son Dusselkopp  hat sich letzte Woche so ville inne Futterluke (*9) rinjequackert, dass er vor überschäumender Freude eenen Nachbarn in die Pfote jebissen hat. Dabei blieben vier Zähne stecken, was entweder an der ledernen Haut oder an den Milchzähnen jelejen haben muss. Beede Milchreisbubis sollen dardanach een Jesicht wie zehn Tare Rejenwetter jemacht ham.

Doch janz so krank, wie letzte Woche das ARD-Majazin „Plusminus“ unsere Krankenhäuser jemacht hat, ist es uff keenen Fall unter die Fittiche unserer weißen Jötter zwischen Arendsee und Zeitz. Anjeblich biste ja schon durchjekeimt, wenn du im Krankenhaus nur mal tief Luft holst. Dajejen ham sich aber janz enerjisch jleich alle Kliniken verwahrt, die anjezählt worden sind. Die saren jetze, dass sie ihre Leutchens schon seit Joahren von eenem Hyjienelehrjang zum nächsten jaren tun. Dadurch jibs mehr antispetisch-qualifizierte Leute als jefordert. Blöde nur, dass die vor lauter Seminare nicht mehr im Krankenhaus sind. Nun ja – in Sachsen-Anhalt sind wenigstens Cleenex-Tücher in jeder Drojerie vorrätig. Und sowieso: Die Zahlen sind von 2014; seitdem ist in jedem Krankenzimmer mindestens dreimal scharf durchjewischt worden – von der Ich AG „Blitzblank Kleinerpreis“.

Für den das immer noch nicht jesund jenuch ist, jibs neue Hoffnung: Und die tut Ulf Bierforth heißen. Schon in paar Wochen braut der keimfreies Sudenburjer zwischen Obi und Dekra. Von dem sein Pils holste dich keen Pilz untern Pelz. Im Jejenteil: Davon wirste lustich wie der kurze Markus aus Burch. Seit dem seiner Hick-Rede im Landtach wissen wir, dass du ooch mit janz kleene Oogen (*10) inner jroßen Politik bleiben kannst. Der Ulf sollte den CDU-Vortrinker einfach mal fraren, ob er nicht bei „Sudenburjer“ insteijen will. Wenn der nächstes Mal mit ner Pulle Bier und paar Becher „Markus’ Marenbitter“ am Rednerpult steht jibs wejen Heimatverbundenheit Sonderbeifall von alle Seiten. Hauptsache, er kippt den Kurzen.

Kodderschnauzes Lexikon:
*1 – anne Kandarre nehmen – jemand in die Pflicht nehmen
*2 – Muschpoke – Familie, Anhang
*3 – fotejrafiert- fotografiert
*4 – Dollbräjen – Alleskönner, Oberster, Supermann
*5 – Paddong – Pardon
*6 – Spinnetakel – Spinnweben
*7 – Penunse – Geld
*8 - Tulli und Hasi - Marco Tullner und Reiner Haseloff
*9 – Futterluke – Mund
*10 – Oogen - Augen

8.1.2017
Lutzes Larer
Juten Tach Kinnings,
mit 2017 kannste bis jetzt janz zufrieden sein. Schon siem Tare alt und noch keener umjefallen, von dem ne Platte bei mich im Rejal stehen tut. Wenn das so weiter jeht, denn kommen wir in janzer Mannschaftsstärke Silvester willer an. Na jut, bisschen Schwund ist in Sachsen-Anhalt immer. Wie die zwee suchtkranken Knackis, die am Neujahrsmorjen die morschen schwedischen Jardinen in Bernburch auseinander jeboren ham und jetürmt sind. Mich überrascht das nich: Oder würdest Du in Bernburch eenen längeren Urlaub machen?

Nee, nee: Machdeburch, das ist im Oorenblick (*1) die Stadt der Träume. Keene andere Ansiedlung in Sachsen-Anhalt hat mehr Anziehungskraft als Lutzes Larer. Schon ibber 240.860 Inwohner – so ville wie seit Joahre nicht mehr. Und eener braver als der andere. Das waren jarantiert keene Elbröwer, die letztens Streichhölzer  uffs TuS-Tor anner Zielitzer, uff drei Lauben im „Jartenjlück“ am Rennetal und uff den Container inner Liebichstraße jeschmissen ham. Jott weeß, wo die Lunten-Lejer herkommen, wir Machdeburjer warns jedenfalls nicht. Wir sind durchwech brave Schafe.

Und wo Schafe sind, da ist ooch der Wolf nicht weit. Sieben Rudel durchstreifen schon willer Reviere um Ottos olle Lieblingspfalz, was so ville wie „kaiserlicher Schlafplatz“ bedeuten tut. 70 Schafe ham die Heulbojen uff vier Pfoten letztes Jahr jerissen. Die Jäjer aus die Jejend wollen schon die Flinten anlejen, doch der Naturschutzbund Brandenburg ist strikt dajejen. Na die ham ja ooch jut reden. So weit, wie die vom nächsten hungrijen Wolf wech sind.

Jenau wie die Wölfe bei uns nicht ums Leben bangen müssen, jehts zum Jlück ooch die vier weißen Löwenbabys, die Weihnachten im Zoo uffe Welt kamen. Unjlaublich, aber wahr: Die lehm immer noch. Trotz enes Zoodirektors, der jern mal umme Ecke bringen tut, was nicht janz astrein ist. Diesmal tuts woll an die jute Machdeburjer Luft leijen, die Kai jerade so friedfertich stimmt. Unsere Luft ist aber ooch sowas von reine. An allen 23 Messstellen im Hasi-Land sind letztes Joahr die Jrenzwerte zwar hin und wieder überschritten, aber nie öfter als das Landesamt für Umweltschutz es erlauben tut. Und seit am Damaschkeplatz keen Stau mehr ist, atmet ooch janz Stadtfeld tief durch. Inner Staatskanzlei suchen se schon een Unternehmen, dass Luft aus Sachsen-Anhalt in Flaschen abfüllt. Die ist ville besser als Berliner Luft und een reinhaltiges Exportangebot. Jedenfalls kannste damit mehr bestellen als mit die Drahtzicken (*2) aus Sangerhausen. Uffer halben Welt ist Mifa nach die dritte Pleite als „Mein insolventes Fahrrad“ eene Marke.

Markijes war die Woche ooch mal willer von unserm Dollbräjen (*3) zu hören. Nachdem er 2001 unsern Fußballclub jerettet hat (die eenen saren, wejen dem Bau eenes hüppefreien Stadions, die andern wegen seines Rücktritts als Präsident), ranvettermichelt (*4) er sich jetzt bei die Handballers. Will nun in Windeseile (also so bis 2020) eenen Ersatz für die olle Jieselerhalle an Lorenzwech hinkrachen. Weil das Spielfeld zu kleen ist, darfste da 2018 keen Ball mehr ab dritte Lija abfeuern. Weil’s jetzt schnell jehen muss, tut Lutze seine Ämter nicht mehr fraren und ordert beim feldWEBEL schon mal paar Fördermilliönchen. Da kennt der nüscht – nicht mal den Stadtrat, der das denn hinterher abnicken soll. 

Eens sare ich dich und mehr sare ich dich nicht: Du musst dich keene Sorjen machen: Der Stadtrat macht das schon. Ist doch für ne jute Sache.

Kodderschnauzes Lexikon:
*1 – Oorenblick – Augenblick
*2 – Drahtzicke - Fahrrad
*3 – Dollbräjen – Dollster, Alleskönner, toller Typ
*4 – ranvettermicheln – einschlei
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1.1.2017
Siem jute Ratschläje
Jesundes Neues Kinnings,
das war knapp. Aber Jott sei Dank, Du und ich, wir ham dieses jrässliche 2016 überlebt!  Nee, nee, wer da aber ooch alles den Löffel abjeben musste (*1). Mindestens jeden Zweeten hat man ja jekannt. Junge Dinger (*2) dabei jewesen, Kerle wie Boome und Weibsbilder, wo man immer jejloobt hat, die werden älter als der Harz. 

Ab heute wird nicht mehr jestorben, basta! 2017 wird een jlückliches Joahr. Ich wünsche dich vor allem eens: Jesundheit. Nimm dich zu Herzen, was ich dich zu saren habe: Pass uff dich uff und sieh zu, dass Kopp und Urin immer kloar bleibn! Denn kann nüscht passieren. Und damit ooch sonst 2017 keene Überraschungen für dich in petto haben tut, jebe ich dich paar jute Ratschläje:

Such dich eene Arbeet mit wenich Stress! Perfekt wär bei die Polente, ooch Schließer im Knast jeht. Oder du machst eenen uff Volksbildhauer (*3). Da fällt’s nicht uff, wenn du zwischen 20 und 40 Tare zusätzlich blau machst. Statt Urlaubsantrach musste nur een Krankenschein abjeben.

Um keen Risiko inzujehen, kannste ooch die Profession wechseln und todsichere Jobs annehm. Bei unsere Verkehrsbetriebe schiebste jaraniert bis zur Rente ne ruhige Kurel – die zahlen wahrscheinlich sojar Koppjeld, wenn du als Foahrer insteijen tust. Janz Schlaue wollen nur noch uff die krisensichere Linie 4. Zwischen Olvenstedt und Harrnkruch jeht immer was; ab übermorjen sojar im 10-Minuten-Takt.

Wenn es irjendwie jeht, ziehe uff keenen Fall bei die Wobau höher als 3. Etaje. Die ham nämlich keene Kennung, wenn da wecke ab der „6.“ vahungern. Wie die 87-Jährije, die wejen kaputten Fahrstuhl seit Mitte November injesperrt jewesen ist. 99 Stufen runter und 99 willer hoch – das hat die Omi nicht mehr jewuppt jekriegt. In Wohnungsfraren musste dieses Joahr sowieso uffpassen wie een Luchs: Meide Jejenden wie Raiffeisenstroaße, Wiener Stroaße, Südring, Damaschkeplatz. Da will unsere Bau-Birjit münstern und rendeln, bis die Schippe kracht. Machdeburjer wissen, was das bedeuten tut. Da wird eher der Berliner Fluchhafen fertich als die ihre Jleise.

Pachte keenen Jarten uffn Werder und jehe keene Wette zu nem ausjejlichen Stadthaushalt in. Lutze hat anjedroht, dass es 2017 mit die neue Strombrücke losjeht. Machdeburjer wissen, was das bedeuten tut: Wejen zu dünne Träjer wird alles bannich (*4) teurer als jeplant und ibberhaupt nur mit joahrelanger Vollsperrung fertich.

Wer frisch vonner Uni kommt und bei Regiocom starten will, sollte sich nicht inreden lassen, dass man schräch rüber inner Försterstraße nah und ruhig wohnen tut. Vorsicht! Hier ist Jerd von Baurs Jachtrevier. Keene andere Stroaße bringt mehr inne Knöllchenkasse als diese hier: Bei 16 Kontrolljängen konnten Jerds Jäger 121 Knöllchen stecken. Wejen 5 Zentimeter, die am Parken mit nem halben Autoarsch uffn Jehwech zu ville sind. Statt een Schildchen „Parken auf eigenen Gefahr“ uffzustellen, jeht Jerds Knollen-Armee in Stellung. Jesund für die Stadtkasse, Jift fürs Wohnjefühl.

Wenn du in Machdeburch jroße Sprünge machen willst, musste dich een Trampolin koofen. Der Fitnesskurs alle 14 Tare im Stadion ist uff Joahre abjesagt.

Falls du oder een Anjehörijer 2017 doch ins Jras beißen musst, empfehle ich dich dringend: Keene Urnenbestattung in Barby. Es sei denn, dich ist ejal, wenn du in eener Inkoofstute im Kleiderschrank verschimmelst.

Kodderschnauzes Lexikon:
*1 – den Löffel abjeben – das Zeitliche segnen/sterben
*2 – junge Dinger – junge Frauen
*3 – Volksbildhauer - Lehrer
*4 – bannich – sehr

25.12.2016
Sorje schenkt
Juten Tach Kinnings,

na, ist der Weißbart jestern ooch bei dich zu Hause rumjeschlichen und hat mit seinem dicken Sack den Boom entnadelt? Und kaum war der Rotsack weg, ist jarantiert deine bessere Hälfte mit nem Staubwedel hinterm dem Dickwams hinterher. Der macht aber ooch een Dreck. Erst schleppt der den Krempel säckeweise ins Haus, um sich jleich nach’m Abwerfen ausm Staub zu machen. Aber du hast den janzen Verpackungsmüll uffn Hals. 14 Tare lang. Wern bei dich die Tonnen ooch immer ausjerechnet kurz vors Fest leerjemacht?

Da lob ich mich Jeschenke, die weder Dreck noch Wertstoffe abwerfen. Wie z.B. die Jratis-Vorstellung von Markus Kurze. Für so ne Nummer muss sich der Pölitz wochenlang die Rübe zerbrechen. Und das Lallen ohne Stottern ist für’n Hans-Jünter echt harte Arbeet. Der Burjer Kurze macht das aus’m Lameng (*1) – dem reicht een Jlühwein zu ville uff der CDU-Weihnachtsfeier.  Bricht sich mit 3/8 uffn Kessel im Landtach eenen ab, dass du jloobst, du wärst uffn Logopäden-Kongress. Und denn frech behaupten, dass das nur ne Erkältung ist. Quatsch mit Soße – wahrscheinlich tauchen Maria und Josef bei die CDU neuerdings im Absinth-Keller von Abtshof uff.  Der Kurze ist een Jeschenk des Himmels – fast so wie’s Christkind. 

Ville Freude macht uns kurz vors Fest ooch unser Stadtjartenbetrieb. Monatelang hat der für unsere Kahlen (*2) zwee neue Spielplätze bauen lassen. Der eene am Bertinger Wech, der andere im Strubeparch. Die Zwerje ham sich jefreut wie Bolle, dass sie nun endlich druff dürfen. Aber nee, das Simonchen Andruschek muss jlatt verjessen haben, dem TÜV Bescheid zu jeben. Nun sind die beeden Spielwiesen zwar fertich, aber nicht abjenommen. Keen Weihnachtsjeschenk also für die Kleenen. Wenns dumm loofen tut, können die Dinger bis Frühjahr 2017 nicht freijejeben werden. Soll ja im Winter ooch mal schneien ...

Na wenigstens hat der jeschüllerte Steffen den Machdeburjern noch een hübsches Jeschenk jemacht: Bis Ende Februar kannste mit die Familie in seinem Elbauenparch rumstiefeln, ohne Intritt zu blechen. Feiner Zuch von ihmchen. Allerdings hat sich neulich een Parkwächter verquackelt (*3) und verraten, dass das woll eene Anweisung vom Lutze jewesen ist. Der wollte, dass die Leute nochmal eenen Parch mit Bäumen und Sträuchern erleben können, ehe die Schlitzooren-Käferarmee im Frühjahr übersetzt. Denn jibs nur noch Kleinholz im Sack und keen Jeschenke.

Die jibs aber vonner Telekom. Die schenkt seit Monaten den Mitarbeitern des Landjerichts in der Halberstädter Straße 39a jeruhsame Stunden. Seit immer mal wieder das Telefonkabel die Jrätsche machen tut (*4), jehts da zu wie inner Hyparschale – nüscht bewegt sich. Achtmal ist da schon die Telefonanlare stumm wie’n Maulwurf jeblieben. Jetzt weeß ich ooch, warum mein Nachbar immer saren tut, dass unsere Richter ne lange Leitung haben. Ville bewejen dürfen die sich ja sowieso nicht. Wenn die ooch nur eenmal hastich uffstehn, wirbeln die so ville Staub uff, dass der janze Schimmel von die ihre Akten uffsteigt und sich in die Ritzen anner Decke schiebt. Um poar Tare später als Jiftstoffe uff die Roben zu rieseln.

Da lob ich mich den Tino Sorje von der CDU. Der hat Machdeburchs Spaßvöreln  das Weinen ausjetrieben. Als der Tino jelesen haben tut, dass die Bürjer ausm Till-Eulenspiejel-Ring uff 257 Euronen für ihr letztes Sommerstraßenfest sitzen bleiben, weil der Trümper so kleinlich mit die GWA-Mittel ist, hat der eenen Kredit uffjenommen. Die Spaßvörel ham jetzt willer jut lachen. Und Tino hat keene Sorje mehr. Die Zinssätze sind für verarmte Politiker jerade perfekt. Und zwar im Keller.

Kodderschnauzes Lexikon:
*1 – aus’m Lameng machen – ohne große Mühe etwas machen
*2 – Kahle – Kinder
*3 – verquackelt - versprochen
*4 – die Jrätsche mache
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18.12.2016
Bernd, das Brot
Juten Tach Kinnings,

an Machdeburch ist nix schön. Aber ooch so jar nix. Hat Bernd Wiejand letzte Woche die BILD in Block notiert. Bernd Wiejand hätte libber seinen Sabbel (*1) halten sollen. Denn bis zu seine dollen Erjüsse inner Zeitung kannte den Jnatzkopp (*2) kaum een Machdeburjer. Aber nun ist Bernd das Brot, im Hauptberuf oberste Hallorenkurel, balle jedem Ottonen im Kaiserstädtchen een Bejriff. Also zumindest als Blindschleiche, weil ja Bernd seine Kuckfunzeln (*3) irjendwie een Jendefekt haben tun müssen. Aber wahrscheinlich hat er sich uff seine Dauerbaustelle Riebeckplatz een Jeerschtenkorn (*4) injefangen und sieht deshalb nüscht mit seine Jlubscher (*5). 

Aber wir sehen Dich mein Bester! Sowie der erste stationäre Blitzer uffn Ring uffjestelzt ist, wird deine Fratze uffjespielt. Da kannste schleichen wie eure Bergzoo-Schnecke – unser Blitzer schießt dich ooch mit Tempo 10 ab. Und denn jibs Post von Jerd vom Baur und denn musste blechen für unsre uffblühende Ottometropol-Rejion. Jawoll!

Unser Lutze durfte eenen Tach druff in BILD vom Leder ziehn. Hat er aber nicht jemacht, sondern nur jemeint, dass Halle so jar jeene Konkurrenz für uns sein tut. Klingt doch irjendwie netter, oder? Aber es bleibt ooch kloar wie Kloßbriehe, dass Machdeburch sowieso inner andern Lija spielt (außer im Fußball, aber das ändert sich in paar Monaten). Bei uns haben die Kakse (*6) bis 16 ab 1. April freien Intritt in Zoo. Bei euch im Berchzoo musste Kompass und Kletterkrams am Mann haben, um dich überhaupt zurechte zu finden. Und in die villen dunklen Ecken inner dicht bebauten Hallenser Innenstadt ham die da kaum noch Polizisten. Die machen sich sowas von inne Hose, weil ständich irjendwelche Horror-Clowns ausm Hausflur hüppen. Der Stahlknecht hat wejen die Tranköppe vonner Saale die Notbremse jezoren: Ab sofort jeht jeder Bullizist mit Body-Cam uff die Jacht. Und damit keener schnallt (*7), dass das wejen die Schissbuchsen aus’m Halloren-Heim ist, müssen alle Polizisten im Land damit los. Na hoffentlich looft der Wiejand die nicht ständich vor die Linse. Nicht, dass da noch eener von die Uniformierten saren tut: „Dein Jesicht uffne Briefmarke un de Biberpost macht pleite!“

Aber eens muss man dem jeschmacklosen Bernd lassen: Uff seine uffjedrehten Künstler inne Hinterhöfe lässt der nüscht kommen. Die pustet der Puderzucker in Hintern, jedes Jahr für 500.000 Euronen. Da ist unser Lutze ville zujeknöppter – maximal 100.000 fällt für die freie Szene ab, also für die Bunten und Verrückten, für die Introvertierten und Exaltierten. Die dicke Kohle kriejen die Jutbürjerlichen von Theater und Konservatorium (23 Mille), von Museen, Bibo und Archiv (Zwölfe). 

Naja, wahrscheinlich hab ich das mit der Bewerbung um Europas Kulturhauptstadt 2025 falsch verstanden. Jing wahrscheinlich nicht umme janze Kultur, sondern nur um Operetten. Und als Operettenstadt ist Machdeburch seit Lutze sich von Bruno Tauts „Neuem Bauen“ das „Große Bauen“ abjeguckt haben tut, unschlachbar: Machdeburch ist hier operetten (*8) und da operetten und eijentlich überall operetten ....

Kodderschnauzes Lexikon:
*1 – Sabbel - Mund
*2 – Jnatzkopp – jemand, der ständig gnatzt und meckert
*3 – Kuckfunzeln – Augen
*4 – Jerschtenkorn - Gerstenkorn
*5 – Jlubscher – Augen
*6 – Kakse – Kinder
*7 – schnallt, schnallen – mitbekommen, bemerken
*8 – operetten – uffjerissen (im Sinne von Straße aufgerissen/Baustelle)

11.12.2016
Janz schön patente
Juten Tach Kinnings,

wenn dich beim Weihnachts-Shopping bei Koarstadt oder ins Allee-Center wecke mit jroße joldene Inkoofstüten und volljepackte Paketträjer im Schlepptau überm Wech loofen, denn sind das entweder wecke aus’m Landtach oder Kal Jerhold vonne GETEC. Denn die 87 Abjeordneten und der eene Jroßindustrielle retten das Weihnachtsjeschäft für unsere Händler. Karl Jerhold hat nach’m Vakoof von 60 Prozent seiner GETEC-Anteile nach Kanada jerade die Brieftasche so voll, dass er sie kaum noch inne Manteljacke stoppen kann. Da müssen jetzt schnell die jroßen Scheine unters Volk. Und im Landtach ham die Fraktionen die letzten Joahre so ville Penunse jehortet, dass der Steuerzahlerbund schon von „rechts- und verfassungswidrig“ sprechen tut. 

Unser Rechnungshof, also als da mit Ralfi Seibecke noch eener hockte, der ooch mal nachjerechnet hat, wollte 1,1 Millionen Euro vonne Fraktionen zurück. Anjeblich hatten sich die von jährlich 6,9 Millionen Euro 2,2 uff die hohe Kante jetan – für schlechte Zeiten. Man kann ja bei die ihre Politik ooch nicht mehr wissen, wann da so eene Partei mal pleite jehen tut. Doch kaum hatten se den Seibecke inne Wüste jeschickt und den treulieben Kay uffn Stuhl jesetzt, verpussematuckelte (*1) man die Riesenrechnung uff Zwerjenjröße: Die SPD musste unjlaubliche 654, die CDU janzenjar jijantische 114 Euronen zurückzahlen. 

Nun sind se am Domplatz bisschen vorsichtijer jeworden. Statt eene Mille nach die andere abzuzwacken, jachtern (*2) die Abjeordneten nach kleene Pöstchen mit jroße Schecks. 40 von die 87 Abjeordneten ham schon was jefunden, wofür es „Funktionszulagen“ jeben tut. Dafür musste bisher entweder Fraktionschef sein oder parlamentarischer Jeschäftsführer oder Arbeitsjruppenvorsitzender. Damit die unterversorgten anderen 47 ooch was zu tun kriejen, sollen balle (*3) weitere Posten erfunden werden: Im Jespräch sind woll „Vorsitzender Tischdienst“, „Projektleiter sauberer Landtag“, „Gutachten-Generalsekretär“, „Fraktions-Franzose“ (das ist der, der fürs gute Essen zuständig ist) oder „parlamentarischer Kantinen-Kommissar“. Ziel ist, nicht nur jedem nen Nebenjob zu orjanisieren, sondern dabei möglichst so erfinderisch zu sein, dass man daruff een Patent kriejen tut.

Denn der patente Sachsen-Anhalter stirbt aus. Bei uns kommen uff 100.000 Inwohner nur noch 57 Patente. So infallslos ist keen anderes Bundesland. Bayern ist Spitze mit 306, selbst Brandenburch kommt noch uff 72, Thüringen hat 88 und Sachsen 117. Man jut, dass wir unseren so ideenreichen Landtach haben. Wenn die jetzt ooch noch was Schlaues jejen das „Falsche Weiße Stängelbecherchen“ infallen täte – Mann, das wär’ der Hammer! Dieses Mistviech unter den Pilzen killt nämlich alle unsere Eschen. Forstarbeeter saren schon, dass es für Eschen in Sachsen-Anhalt keene Rettung mehr jeben tut. Wenn sich das Becherchen mit dem Asiatischen Laubholzbockkäfer zusammentut, dann kann Sachsen-Anhalt noch een Patent anmelden: Nämlich uff die erste Wüste der Welt, die ohne ein einzijes Säjeblatt entstanden ist.

Mich fallen noch zwei weitere Patent in, die unser Landes-Hasi sofort anmelden könnte:  Da wir mit Bremen das einzije Bundesland sind, das ohne Stern im „Guide Michelin“ bleibt, haben wird uns das Patent als „Bundesland, in dem man geschmacklos satt“ wird, echt verdient. Und denne sind wir ja noch das Land, in dem die Alten am längsten aushalten können. Denn nirjends sonst jibs so wenije öffentliche Klos wie bei uns. Der Sachsen-Anhalter hat desderwejen schon notjedrungen die jrößte Blase der Welt ...

Kodderschnauzes Lexikon:
*1 – verpussematuckeln – schönrechnen, hinrechnen
*2 – jachtern – laufen, hier im Sinne von hinterherlaufen
*3 – balle - bald
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