Magdeburger Kodderschnauze

 
 

12.8.2018

Wer noch kann, nix wie ran!

Juten Tach Kinnings,


een Jespenst jeht um in Sachsen-Anhalt – nämlich die Angst daradvor, dass es Tobias Hans aus’m Saarland und Markus Söder aus Bayern irjendwie jedeichselt (*1) kriejen, von ihren Völkern jeliebt zu wern. Inner Staatskanzlei jeht die der Hintern schon uff Jrundeis. Man stelle sich vor, Hans und Markus kommen uff den Trichter und verteiln Schokoeis ans Prekariat. So schnell schmilzt das ja jar nicht im Mund wie Hasi aus Wittenberch die rote Laterne am Halse hat. Denn ham wir den Salat – und Deutschlands unbeliebtesten MP obendruff. Das hat een Land, indem Heidebier und Unstrutwein fließen, nicht verdient.

Dann freu ich mich doch libber übber seinen vorvorletzten Platz. Wir Sachsen-Anhalter sind doch Kummer jewöhnt. Wer so ofte durch die Führerscheinprüfung rauscht wie unsereener, der ist eh nicht die hellste Kerze am Boom. Bisher waren wir dafür wenigstens jut im Bett. Ist seit 2017 aber Jeschichte. In Sachsen-Anhalt ist Flaute anjesagt - immer wenijer Kinder kommen bei raus. In Machdeburch tut das Minus bei 3,8 Prozent liejen. Da hat bei Lutze jleich ne rote Lampe uffjeflackert. Nee, nee selber will er nicht mehr aktiv werden, aber ne Rundmail hat er woll schon abjeschickt. Im Kern steht drin: „Wer noch kann, nix wie ran.“ Er selbst will ooch alles dafor tun, dass der verjnüjungssüchtigste Teil der Machdeburjer so richtig Lust uffs Kindermachen hat.


Maßnahme 1: Damit die Jurend nicht durch zu ville Romantik abjelenkt wird, dreht er ab sofort dem Brunnen uffn Ulrichplatz punkt 20 Uhr den Hahn ab. Von wejen, das Jeplätscher nervt die Nachbarn und wird deshalb frühs beendet - völlijer Kohlenmunkel. Des jeht darum, Pärchen früh nach Hause und inne Falle zu kriejen ...


Maßnahme 2: Dass der Bücherbus wejen der Hitze inner Jarage bleibt, ist ne Fake-News. Da steckt jarantiert der Lutze dahinter. Der will nämlich nicht, dass die Leute ihre Zeit mit Lesen verplempern. Bis Weihnachten wird der Bus injemottet. Mindestens.


Maßnahme 3: Wir ahnen, wer die Bakterien höchstpersönlich in Barleber und Neustädter jekippt hat. Denn nun weichen die Leutchens uff wilde Badestellen aus. Da sind sie schön unjestört. Und in der Hitze des Jefechts jeht schon mal was...


Maßnahme 4: Als Sparkassen-Uffsichtsrat tut Lutze dafür sorjen, dass sich Sparkassen-Kunden beim Anstehn am Schalter janz nahe kommen. Damit die kuschlije Schlange immer länger werden tut, jibs balle nur noch eenen Schalter. Schon Lutzes Vorjänger Willi wusste „Wo sich die Ärsche reiben ...“ ... jibs ooch kleene Kakse.


Maßnahme 5: Weil statistisch erwiesen ist, dass jebärfähige Frauen zwischen 18 und 40 meistens Mazda fahrn, wird neuerdings vozuchsweise dieses Modell in Machdeburch wechjefunden (*2). Jut möchlich, dass jemand Interesse daran hat, dass die mit die Lektrische durch die Stadt jondeln. Wejen die Anbändelei, die da ville besser funktionuckelt (*3).


Maßnahme 6: Beim nächsten Sommerfest in Neu-Olvenstedt ist dafor jesorcht, dass das öffentliche Klo nicht mehr wie sonst stinken tut. Der Toilettenmann, der extra zum Fest eenmal öfters mit’m Schrubber anrückt, tut als Dankeschön jratis Kaffee und Kuchen kriejen. Wenn der also Krümel kaut, sind die Klos frei...

Mehr Beihilfe zum Kinderkriejen jeht doch nicht.


Kodderschnauzes Lexikon

*1) jedeichselt – es hinkriegen/schaffen

*2) wechfinden - stehlen

*3) funktionuckelt - funktionieren



22.7.2018

Schädliche Politiker

Juten Tach Kinnings,


Matze Puhle ist ein klurer Mann. Der hat promoviert und dardazu nen Professor-Titel. Man darf also saren, dass unser Beijeordneter für Kultur, Sport und Schulen der Schlauste im janzen Rathaus ist. Uffn Papier sojar schlauer als der Lutze. Desderwejen darf der Sachen saren, für die andere verkloppt (*1) werden würden. Seit die Woche verdanken wir dem Professorchen die Erkenntnis, dass es für bestimmte Sachen schädlich sein tut, wenn man dafür Stadträte – also Politiker – vor’n Karren spannen täte. Zum Beispiel, wenn man Europäische Kulturhauptstadt wern will. Am Besten man erwähnt jar nicht, dass in Machdeburch jemals een Politiker jesehen worden ist. Es sei denn, man will uff jar keenen Fall Kulturhauptstadt wern. Also denn könnte man Müllerchens Oli (*2) wie weiland Franzl Beckenbauer mit’s Köfferchen uff PR-Tour schicken.  Unser Professorchen will aber unbedingt jewinnen. Desderwejen hat der uff die Neugierig-Guck- und Schlemmerreise in die derzeitije Kulturhauptstadt Leeuwarden erst jar keenen Besserwisser mit Parteibuch mitjenommen. Sondern nur wecke (*3), die was von Kultur verstehen. Also Künstler, Beamte, Amtsleiter und Bürjermeester. Durfte ooch keener von die aus Sudenburch kommen.


Puhle lehrt uns also, dass Politiker nie hilfreich sind, wenn man ma was will. EU-Titel oder Förderjeld, neue Straßen oder eenen alleholfreien Hassel zum Beispiel. Puhle weeß: Sobald sich Parteikader rinhängen tun, jehts den Bach runter. Weshalb ich fest daran jloobe, dass ab Dienstach die Hitzewelle neuen Schwung uffnehmen wird. Rejen kommt jedenfalls keener. Warum? Weil Dienstach unser Hasi mit seinem Kabinett über die Dürreperiode quackeln will. Jeht jarantiert inne Buxe.


Und damit ham die freiwillijen Feuerwehrleute von Sachsen-Anhalt weiter mehr zu tun als die Bademeester von Machdeburch. An unsere Strandbäder ist ja eh tote Hose. Die Invasion der Cyanobakterien ham wir natürlich ooch eenem Stadtrat zu verdanken. Hätte der Zander vonner Jartenpartei im Frühjahr nicht so een Tamtam um den Barleber jemacht, denn hätten die Cyanobumsdings jar nicht jeschnallt, dass der See mehr Nahrung zu bieten hat als Rewe und Edeka zusammen. Aber unter uns Klosterbrüdern: Wer keen Schiss vor jlitschijes Jrün hat, kann ja trotzdem drin rumplanschen. Jeht dardanach erst die Muskelzitterei los, ist das ja ooch ne Erfrischung. Noch kostet der Besuch der Notaufnahme keene Penunse (*4). Das kann man jerne noch mal ausnutzen.


Nur mits Mietrad kommste nicht mehr inne Uniklinik. Weil der Machdeburjer libber janz jemütlich uff Birjits Lektrische (*5) wartet als sich uff Nextbikes Flitzepee (*6) abzustrampeln, jibs keene Leihräder mehr inner Stadt. Nextbike holte alle 50 Miet-Drahtesel wech, weil sich keene Sau druffjehuckt (7) hat. Mich ist da jleich die Idee inne Rübe jefahrn, daraus ne Machdeburjer Spezialität zu machen. Wenn neuerdings sojar die „Harzer Pottsuse“ ne jeschützte jeojrafische Spezialität ist, denn könnten wir als „Eselfreie Elbestadt“ ooch jute Chancen ham. 


Kodderschnauzes Lexikon

*1) verkloppt – verhauen

*2) Müllerchens Oli – Oliver Müller, Stadtrat der Linken

*3) wecke – welche

*4) Penunse – Geld

*5) Lektrische – Straßenbahn

*6) Flitzepee – Straßenbahn

*7) druffjehuckt - draufgesetzt



8.7.2018

Fliejenschiss uffn Holzwech

Juten Tach Kinnings,


die Machdeburjer Börde ist dieser Tare wie een Zwieback – furzetrocken. Die Bauern ringsumher ham schon lange ihren trocknen Humor verlorn. Die Ernte ist een Witz und das bisschen, was da uffn Acker vor sich hinkümmern tut, fängt schon Feuer, wenn een Traktor nur mal uff 1,80 rankommen tut. Vielleicht würd’s ja was nutzen, wenn sie mit’m Barleber ihre Felder berieseln. Kannst eh nicht mehr drin rumplanschen. Und die Bauern bräuchten die nächsten zehn Jahre keenen Dünger mehr. Allerdings ist noch unklar, was nach der Besprengung mit Anabaena flos-aque-Wasser mit dem kümmerlichen Mais abjeht. Krümmen sich die Kolben denn, wenn es mit den Muskelkrämpfen losjeht? Oder wachsen die über sich hinaus. Ist das denn schon GENial oder janzenjahr der nächste Nobelpreis?


Die jrößte Trockenperiode seit 55 Jahre führt villerorts zu Ausfall-Erscheinungen. Selbst im Fachamt für den jrünen Daumen stehn se wejen der Hitze neben sich. Beim Nachpflanzen von Machdeburchs längster Blütenallee ham die sich ja so was von vertan: Statt Nelkenkirsche pflanzten die im Holzwech Bergkirschen nach. Mit dem Erjebnis, dass die eene Hälfte im April blüht und die andere im Mai. Sieht aus wie’ne Laola-Welle in SlowMotion. Erst wollten se im Amt jar nicht zujeben, dass sie da uffn Holzwech sind. Aber Hobbybotaniker ham nachjewiesen, dass Nelken- und Bergkirschen zwee verschiedene paar Schuhe sind. In etwa so wie eene Uffstiechsfeier vom Lutz und eene vom Mario.


Als Sturköppe sind die Jrünkram-Beamten aus der Ottostadt allerdings in juter Jesellschaft. Ooch inner Landesrejierung sitzen paar Schnarchnasen rumher, wenn’s ums Natürliche jeht. Beispiel: Jahrelang ham die Landesfürsten den Eichenprozessionspinner fressen lassen. Inzwischen ist die Altmark unter eenem jijantischen Spinnennetz bejraben. Die jrimmije Henne, die bei offiziellen Ufftritten jern mal als Grimm-Benne vorjestellt werden tut, hat nu aber haste was kannste alle Staubsaujer im lokalen Einzelhandel injesackt. Damit sauren ihre Spinnerjäger ab Osterburch landabwärts die Nester ab. Nächstes Jahr soll richtich scharfes Jift verspritzt werden. Fragt sich nur, was das mit unseren Seen macht...


Unterdessen kommt von Rothensee aus die nächste Invasion uffe Stadt zu. Erst war’ns die verfressenen Käfer mit Schlitzooren, jetzt sind’s die Kiosk-Fliejen mit Bratwurscht-Sucht. Vom Hafen aus direkt in Zoo. Seltsam is nur, warum sich die Kleinjeister nicht wie sonst uff die Berje stürzen, die die jroßen Viecher immer machen. Ausjerechnet in Kays einzijen Kiosk ham se sich jesammelt. Ja, hätte da doch nur mal eener immer mal durchjewischt.  Die Rettung kam aus’m Verkehrsministerium.


Thommi Webel hat ja nicht nur Ahnung, wie man beim Autobahnbau Zeit schindet, sondern ooch, woruff Fliejen so fliejen. Uff Käse zum Beispiel – der ist für Fliejennasen so was wie für Kicker een Ball. Und weil der Thommi die Fliejenplare schon lange kommen jesehen hat, sorgte er mit langanhaltendem faulen Atem für Straßen wie Schweizer Käse. In janz Sachsen-Anhalt. Letzte Woche hat er seine erfolchreiche Arbeit vermessen lassen. Erjebnis: 40 Prozent der Landesstraße sind so verjammelt, dass nur noch Trabis da langrumpeln können. Sag ich doch: Nur Fliejen ist schöner.



1.7.2018

Kuhkaff des Joahres

Juten Tach Kinnings,


während sich das Professorchen aus’m Kulturdezernat vorne uffrebbeln tut, damit Machdeburch 2025 mal die erste Geije in Europa spielt, reißt janz hinten Krümelkacker Holjer Platz alles willer mit’m Hintern in. Tut jedenfalls Machdeburchs kunstvernarrter Biolore, Retter der hiesijen Nackt-Akt-Szene und Asyljeber heimatloser Theaterjruppen, also Kolleje Klaus Vogler, saren. Der hat Machdeburch die Woche zum „Kuhkaff des Jahres“ erklärt. Wesderwejen? Weil die Jaststätte im Rayonhaus inner Steingstraße um 20 Uhr den Bierjarten verrammeln muss. Von amtswejen. Wejen Lärm. Aber nicht, weil die Leutchens da mit ihre Bierhumpen lauter anstoßen als Fußballfans koreanische Tore bejubeln, sondern aus Prinzip. Alles, was lauter ist als das Rascheln von Papier im Amt, jilt nämlich bei unsern Platz-Hirschen als Lärm. Und das muss wech. Es sei denn, es hat was mit Vorelhäuschen zu tun. Die stehen laut unserem Wirtschaftsbeigeordneten für die waschechten Machdeburjer Turenden wie „Wohlfühlen, Futter und Geborgenheit“. Dajejen kann der Voreler nüscht saren. Insofern ist die Rayon-Wirtschaft so was wie der Jeburtstort aller Machdeburjer Vöjel. Da kannste dich uffe Holzbänke flätzen, Jekochtes in dich rinschieben und wejen die himmlische Ruhe fühlste dich wie im Mutterleib jeborjen. Bis 20 Uhr. Danach ist schicho.


Ich kann zwar nicht saren, ob der Vorejeler das mit dem „Kuhkaff des Jahres“ nur uff seine Stammkneipe umme Ecke bezoren hat, aber es jibt ja noch paar mehr Beispiele dafor. Nehm wir die Kultur der Angst. Die hat dieser Tare das Finanzministerium befallen. Obwohl noch keen einzijere der 546 Spiejel anner ollen OFD abjefallen war, ham se vor lauter Muffenjang alle abjeflext. Nur weil eener woll bischen jewackelt hat im Sturm. Jott sei Dank ham se die Rohrhalterungen dran jelassen. Nun sieht die Butze aus wie ne chinesische Mauer mit paar hundert Stummeln. Da kam dem Tosi ausm Hundertwasserhaus ne Idee; er könnte ja von seinen 4389 Vorelhäusen paar abjeben. Ich höre den Voreler schon zwitschern: „Kuhkaff des Jahres bietet Vögeln ein ruhiges Zuhause!“


Vermutlich wird sich die Hupfdohle besonders ofte anner längsten Vorelhaus-Fassade deutscher Finanzbehörden innisten. Die janze Brut wird vor Freude hüppen. Das hat Symbolwert, denn schon balle kannste hier in der Jejen so abwechslungsreich rumherhüppen wie sonst niejends: Erst öffnet im Herbst das Trampolin-Paradies „Sky Fly“ im Flora-Park und im nächsten Jahr im Stadion die jrößte überdachte Hüpfburg nördlich der Alpen. Die Kultur des Hüpfens wird in Machdeburch volle Kanne durchjezoren.


Vielleicht sollte sich das Professorchen aus’m Kulturdezernat nur noch hüpfend durch Europa bewejen. Damit jeder jleich weeß, woher er kommen tut: Aus ner Stadt, die jerne jroße Sprünge machen würde, aber als Bettvorlejer im Kuhkaff landet.



24.6.2018

Verjehm

Juten Tach Kinnings,


wer hätte das jedacht: Die Machdeburjer Verkehrsbetriebe  müssen sich weiter mit Bussen, Bahnen und Schiffen rumschlaren, die von morjens bis ahms durch die Stadt karriolen. Bis anno knips. Minimal! Das ham unsere oberschlauen Stadträte ausbaldowert. Wie man hören tut, soll das aber spitz uff Knopp jestanden ham. Stadtrat Hitzeroth, also der, der jerne mal Fahrkartenhäuschen plattmachen will, soll den Rennverein vorjeschlaren ham. Wenn mal keen Strom anliejen tut, könnten die ja mit ihre Jäule... Stadtrat Canehl hätte die Lektrischen allzu jerne seinen Kumpels vom ADFC zujeschustert, um alle Bahnen uff Pedalantrieb umzurüsten. Denn jäb’s nie willer Engpässe beim Personal, weil Treten kann ja jeder. Ooch der Zander vonner Jartenpartei hat uffjedreht seinen Hut in Ring jeworfen: Weil ja nun balle durch jeden Jartenverein ne Schiene liejen tut, sind die Laubenpieper die jrößte Kundenjruppe. Sein Arjument: Wer seinen Jarten in Schuss hat, der kommt ooch mit olle Möhren klar.


Um een Haar hätten das unsere 54 weisen Jötter abjenickt. Aber denn kamen die Jrünen mit der Idee umme Ecke, dass alle neuen Busse und Bahnen WLAN und USB ham müssen. Da waren die Laubenpieper raus. WLAN halten die ja noch für’n Wirsingkohl mit Lan-gblatt. Und der Rennverein sowieso. Die ihre Jäule machen sich jerne ooch mal selbständich...

Also hat Birjit den Hut bis zur Rente uff. Im Jejenzuch musste sie versprechen, keene Luft anne Vollbeschäftijung unserer Bauarbeeter ranzulassen. Die Doppelnamen-Dame hat jeschworen, jedes Jahr im Sommer mindestens eene Achse dichte zu machen. Diesjahr die Leipzijer, denn die Schönebecker, die B1 und dennn ooch mal willer die Lübecker. Außerdem wird sich alle halbe Joahr schon ne wacklije Brücke finden lassen, an die man wejen Insturzjefahr unbedingt Knall uff Fall rumrendeln muss. Das murkelt die sich schon hin, keene Bange. Ich hab’ keene Zweifel.


Das tut die aussitzen. Hat se von unserm Oberbürjermeester jelernt. Der ist jerade willer mal voll uff Anjriffsmodus. Die Woche hat der sich mit’s Land anjelegt. Statt sich um seine Bürjer zu kümmern, dass die Kakse in die IGS loofen können, in die sie jerne wollen, zackeriert der mit der Schulbehörde rumher. Lutze meint, dass es völlich ejal ist, ob nun Jemeinschaftsschule oder IGS – Hauptsache Schule. Mindestens drei Familien finden das jar nicht lustich und ham jlatt den Lutze vorn Kadi jezerrt. Die Landesfürsten stehen die Eltern bei und finden ooch, dass uff dem Jebiet der OB keenen Blassen hat. Jetzt warten alle druff, wer vor Jericht jewinnt. Aber die Kakse weenen sich bis dahin die Ooren raus. Daran denkt jerade keener.


Wenigstens ist Stadtrat Canehl nich so janz schnurzpiepe, wie der Tunnel aussehen wird, wenn er vielleicht ja doch mal fertich wird. Trümpers Trampel-Truppen wollten beim jrößten Millionenjrab seit’m Dombau ausjerechnet anner Schönheit sparn. Die wollen doch jlatt den billigsten Rabatt-Beton als Straßenpflaster druffknallen und denne von die Stadtfelder beim nächsten Subbotnik (heißt heute „Machdeburch tut sich putzen“) mit Latexfarbe anpinseln lassen. Da ist der Canehl aber so was von aus’m Anzuch jesprungen: „Was erlauben Scheidemann?“ Wenn schon teurer als die Sünde, denn doch wenigstens nicht hässlich wie die Nacht! Bei so ville Jeld kommts ja woll uff paar Natursteine und een Neonlichtband ooch nicht mehr an. Findet der Canehl. Und ich finde, dass er da volle Kanne Recht haben tut.



17.6.2018

Verluste

Juten Tach Kinnings,


hinter uns tut eine Woche voller  Verluste liejen: Uns ham ein Jenie und ein janz Ausjeschlafener verlassen, außerdem wern uns 500 trübe Spiejel und die Deppen vom Rathaus verlustich jehen. Noch dazu fehlen uns balle die Trällerei vom Domplatz und das Stadion ohne Hüpfdohlen.  Aber wir ham ooch was jewonnen die Woche: Die Jewissheit, dass man in Sachsen-Anhalt von Arbeet nicht reich werden kann: Wer hier bufft bis tot, der kommt uff schlappe 3.264 Euronen alle vier Wochen. Das sind nichemal 77 Prozent vom Bundesdurchschnitt.


Desderwejen hat unser jrößtes Jenie nach Domplatz-Hasi, also Heinrich von Nathusius, die Arbeet injestellt. Er will keenen Cent mehr in Sachsen-Anhalt investieren, hat er jetrötet. Was seine Arbeet war? Na fremdes Jeld janz besonders schlau anlejen. Was bei Rotorion in Haldensleben jenial lief, jing mit Mifa in Sangerhausen ziemlich inne Hose. Ob Absicht oder nich – wer weeß das schon. Als der Hasi nun vom Heini 5 Milliönchen Bürgschaftskohle retour ham wollte, tauchte der ab. Anjeblich holen sich jetzt die Chinesen  den janzen Krempel. Lorisch, dass die 2.000 Mitarbeeter jetze Muffensausen ham. Jloobe nicht, dass da ville nach China wollen...


Für mehr Freude dürfte die Ankündijung von OB Trümper sorjen, dass ab 2020 keen Putz mehr vonne Domdecke fällt. Weil vor die Türe jeträllert wurde, musste drinnen jeden Tach dreimal jefegt wern. Janz abjesehn dardavon, dass man sein Jottes Wort nich mehr jewahr wurde. In zwei Joahrn soll das Machdeburch-Musical vor der Hyparschale stattfinden. Wejen dem Domkantor, der ja schon lange wejen Tinnitus in Behandlung ist und wejen der kleenen Kakse. Die sollen endlich ooch mal im Sommer durch die Wasserfontänen hüppen dürfen.


Bleibt noch das schönste Zitat der Woche, willerzufinden am 13. Juni versteckt uff Seite Fuffzehn vom Machdeburjer Tareblatt. Da steht jeschrieben: „Beim Brückenbau handelt es sich im Gegensatz zur Tunnelbaustelle nicht um die Doofheit der Stadt!“ Iss doch ne Bombe: Lutze jibt erstmals kleenlaut zu, dass am Bahnhoff die Rathaus-Deppen zujange sind. Ich könnte quieken: Wer hat sich doch jleich das janze Desaster als Chefsache uffjehuckt?


Da kannste drei Kreuze machen, dass das Boompflanzen so einfach wie Kindermachen ist: Loch buddeln, Sand und Boom rin, zuschütten, Wasser druff, fertich. Das kriejen ooch Doofe hin. 1000 Stück will Lutze noch dieses Jahr inbuddeln. Muss ihm mächtich jejuckt ham, das die letzten Jrünlandtests die einst zweitjrünste Stadt Deutschlands uff Steppenniveau ausbaldowert hatten.


Wenijer doof stellen sich Trümpers Truppen im Stadion an. Da haun die jetze fette Träjer unter die Jästetribüne rin, damit die Fans aus Dresden und Hamburch bei uns wie die Hupfdohlen uff der Traverse springen können. Maximal noch een Joahr, denn dürfen ooch unsere Fans widder hüppen, was das Sprungjelenk herjibt. Bejeisterung kennt keene Höhe. 



10.6.2018

Spiejel-Fälle

Juten Tach Kinnings,


dass im Dom der Putz vonne Decke fällt, wenn daußen eener rumträllert – das ist stadtbekannt. Allerdings ist diese Erscheinung erst nach 800 Jahre erstmals uffjetreten und ich tu mich ooch fraren, ob das nicht was mit’m Tinnitus vom Dompastorchen zu tun hat. Aber wenn nach nichemal 20 Jahren bei die Oberfinanzdirektion jleich ne janze Spiejelreihe vonner Fassade poltert, denn mach ich mir schon Sorjen. Man kann ja nicht jerade behaupten, dass die OFD beim Neubau jespart hat. Schon jar nicht bei die Dübel. Wo aus Kunst am Bau Pfusch am Bau wird, bleibt nun offen, wo sich die Finanzbeamten jetzt schön gucken? Also, wenn se sich fraren: „Spiechlein, Spiechlein an der Wand, wer ist der Unehrlichste im janzen Land?“ Für unsere Kulturhauptstadt-Bewerbung kann es ja ooch nicht jerade prickelnd sein, wenn hier „Kunst am Bau“ den Halt verliert.


Ich bin echt bekümmert, denn die Woche übber ist ja noch ville mehr verschwunden als nur die Spiejelein von der Erzberjer Straße: Die jelbe Wunder-Messboje uffn „Barleber“ hat sich keene drei Tare ibber Wasser jehalten. Die Angler vom See ham schon rumjeunkt, dass vielleicht die Blaualjen drübber herjefallen sind. Erst uff hartnäckijes Drängen unserer Stadtjournaille hat die blitzjescheite PR-Tante vom Helmholtz-Institut kleenlaut injeräumt: „Technisches Problem.“ Wahrscheinlich war das Ding löchrijer als een Küchensieb und das Wasser stand der Boje schon Oberkante Unterlippe. Ma im Ernst: Muss man sich nicht eenen Kopp machen, wenn die klügsten Köppe der Stadt nicht mal ne Boje schwimmen lassen könn?


Das müssen sich die Lehrer vonner IGS „Willy Brandt“ uffe Stelle zu Herzen jenommen ham. Ab sofort drillen die die Machdeburjer Jenies von morjen, dass die länger als eene Doppelstunde dicht bleiben. Dass tut manchmal untenrum zwar bissel weh, wie die Woche eene Schülerin erleben musste. Obwohl die janz dringend uffn Lokus musste wie einst Fliejentutenheinrich bei Dünnpfiff in Luisenpark flitzte, durfte die sich nicht erleichtern. Die Lehrerin blieb knallhart. Wo kommen wir ooch hin, wenn die Jurend von heute mit ner Pionierblase  durchs Leben jeht. Man kann nicht früh jenuch lernen, wie man die Schließmuskeln zusammenkneift.


Verlustreich waren die letzten Monate ooch für die Machdeburjer Tierwelt. Noch nie durften die Machdeburjer Jäjer so ville und so oft mit ihren Flinten durch die Wallachei scharwenzeln wie diesjahr. Und die Ballerei ist immer noch zu wenich, tut Oberjachdmeister Jerdchen Petzoldt saren. Wenn nicht noch mehr Wild zum Abschuss freijejeben wird, ist Ostelbien balle mehr Tierpark als Wohnidylle. 316 Wildschweine, 269 Schwarzwilder, 292 Rehe, 77  Waschbären und 34 Nutrias ham die letztes Jahr umme Ecke jebracht. Und damit uns nicht uffn Weihnachtsmarcht ne Horde Eichhörnchen beklaut  oder ne Rotte Wildschweine durch Karstadt rammeln, muss noch mehr jeschossen wern. Ville mehr. Meint Flinten-Jerd.


Wenn er mit seinen Kumpanen unsere Parks kahl ballert, denn bin ich aber froh, dass es so Leutchens wie unsern Willi jeben tut. Der hat zu seinem „80.“ im Januar keen Schnäpsken mehr haben wollen und die Jratulanten um paar Piepen anjebettelt. Hat sich verlohnt: Janzenjahr 7560 Euronis ham se dem Polte in Strump jesteckt. Reichte für 30 Bäume. Wir sollten alle uff Jeschenke verzichten, damit unsere Stadt nicht ne Wüste für Baufredis wird.



3.6.2018

Rumjejrackelt

Juten Tach Kinnings,


die Affenhitze macht nun sojar den Arbeitslosen zu schaffen. Immer wenijer wollen noch inner Platte jelangweilt vor sich hinschwitzen, desderwejen die Arbeitslosenquote im Mai mit 7,7 Prozent so kleen wie noch nie war. Dafor waren die Tarestemperaturen noch nie so hoch: Mit ibber 18 Jrad tut der Mai 2018 sojar den Mai von 1889 schlaren. Damals ham die Leutchens jeschwitzt wie der Dickste am Jießereiofen. Heute looft dich der Schweiß schon den Rücken lang runter, wenn du mal mit der Fernseh-Fernbedienung rumjrackelst. Selbst der faulste Hund jeht libber uff Schicht inner klimatisierten Firma als sich von RTL II den janzen Quatsch mit Soße rinzuschieben. Von der Seite betrachtet, kann es nicht warm jenuch sein.


Die Stadt tut ooch schon vorbeujen und hat letzte Woche een Ruderboot uffn Barleber zu Wasser jelassen. Damit ham se ne jelbe Boje uff Machdeburchs blauen See jeschippert, wo die Boje das Blaualjen-Uffkommen so haarjenau uffzeichnet wie unser Ordnungsamt die Parksünder. Die jeht keener durch die Lappen. Und weil das mit dem Blumenjießen in diesem Brutkasten so nervig sein tut, sammelt die Stadt allmählich die Blumenkübel im Stadtjebiet in. Eijentlich hatten se jehofft, dass das keener mitkriejen tut. Aber die Stalker aus der Karl-Marx-Siedlung ham schon beim Kübeluffbau 2006 im Urin, dass die Dinger mitten uffen Ahornwech eines schönen Tares Flüjel kriejen. Jetze, 12 Jahre später, hat sich ausjezahlt, dass immer eenner aus der Siedlung uffer Lauer liejen tut. Sofort ham se die Stadt Licht ans Rad jemacht. Doch die meint, dass nicht nur die Blumen injehn, sondern och Radler jefährlich lehm, wenn se immer um die Kübel drumherum karriolen müssen.


Hat sich ja nun erledigt, die fünf Kübel sollen woll als Swimmingpools am Neustädter und am Barleber unterkommen. Falls die Blaualjen widder zuschlaren.


Zujeschlaren hat beim Abklingeln der Zehntklässler im Stadtpark keener. Jedefalls nicht mit der Faust. Dafür das Ordnungsamt. 143 Pullen Schluck ham die bei der Kontrolle von 830 Kids beschlachnahmt. War’n wir früher eijentlich ooch so ne Schluckspechte? Uff der Weihnachtsfeier vons Amt dürfte es an Eierlikör nicht hapern. Womöchlich sind beim Abtransport übbern Hassel een paar Pullen uff die verrückte Weiche jekracht, die ständig kaputt ist. Die ist seitdem so durch ‘n Wind, dass se als „@weiche39“ jetze twittert. Neulich war se „eher so links“, vor paar Tare fragte sie, ob es bei uns „untenrum auch immer so vibriert“. Fehlt nur noch, dass sich zweie vom Ordnungsamt beim Revierjang um Hassel unterhalten. Sagt einer: „Mann, hab’ ich einen Hunger!“ Der andere: „Dann iss doch eine Schiene!“ Antwort: „Die ist  doch so hart!“ Rückantwort: „Dann wart’s ab, da vorne kommt ‘ne Weiche!“




27.5.2018

Schwarm vom Ordnungsamt

Juten Tach Kinnings,


is noch jar nicht richtich Sommer, aber mich wird schon Angst und Bange vor die heißen Tare. Wo sollen wir bloß rinhüppen, wenn der Planet brennt und wir uff unsern Deetz (*1) die Spiejeleier von Bauer Völcke braten können? Wo doch die Woche schon der zweete See wejen die Blaualjen-Schwemme dichte ist. Am „Neustädter“ ist nu jenauso ville von das Jelumpe drinne wie am „Barleber“. Een Kumpel von mich uff Arbeet war drinne. Als er willer rauskam, hat der jeleuchtet wie ne LED-Lampe mit Clubfarbe und sah aus wie’n Streuselkuchen.


Da kannste doch bloß noch zum lieben Jott beten, dass sich Strabag und Hochtief vor Jerichte nich uff eenen Nenner kommen - und desderwejen die Zoll- und Ebertbrücke von alleene inkrachen tut. Wenn da een Abjrund ist, denn darf der vor die Sommerhitze kochende Ottone ohne Ufflaren inne Elbe hüppen dürfen.


Allerdings schwant mich, dass iberall wecke vom Ordnungsamt rumhängen und jeden inkassieren, der sich uff das Elbebadeverbot een Ei pellt. Denn die vom Ordnungsamt ham entweder nen neuen Schichtplan oder een janz jewaltijen Anranzer von janz ohm jekriegt. Bis Pfingsten war doch von die wochentachs ab 16 Uhr nüscht zu sehn, freitachs ab eins hat da eh jeder seins jemacht und Wochenende war immer schicho (*2). Aber eener muss im Amt neue Saiten uffjezoren ham. Seit Pfingsten krauchen die spätabends in die Machdeburjer Kneipen rumher, saufen nüscht und lassen sich stattdessen Papier zeijen. Und wehe, ehm tut een Wisch fehlen! Denn machen die uffe Stelle den janzen Laden dichte. Jleich für’n paar Wochen, muss sich ja verlohnen (*3). Davon kann der Kneipier ins Rayonhaus von Stadtfeld een Lied von singen.


Ich werde heute Abend unser bienenfleißijes Ordnungsamt ooch jleich mal uffe Probe stellen. Wenn mein Nachbar seine Schrottkarre willer ohne Behindertenparkkarte uffn Behindertenparkplatz karrt, denn klingel ich da mal durch. Wo die vons Amte doch jetze wie im Rausch malochen... Da komm die doch mit voll Karacho zu mich anjebraust und lejen den seine olle Mühle uff der Stelle still. Uff den seine verdatterte Lawwe (*4), da freu ich mich jetze schon. Und wenn die eenmal hier sind, denn jare ich die jleich weiter in Park umme Ecke. Da hat doch jeder Zweete seine Töle nicht anjemeldet. Ob die jeden ohne Hundemarke ooch dichte machen?


Ich hoffe allerdingens, dass sich die Arbeitswut unserer Ordnungshüter nicht an meinem Eismann umme Ecke abarbeiten tut. Der hat bestimmt keenen jefragt, ob er den Jehwech mit Tisch und Stühlen vollkrachen darf.


Was mach ich nur, wenn se dem uffe Schliche kommen? Denn kannste dich in Hitze-Burch doch nirjends mehr abkühlen: Aus unsre Seen wern wir von Blaualjen verjrault, inne Parks fallen die Laubholzbockkäfer mit die Schlitzooreen ibber uns her, an Brücken haun se alle Bäume wech und in Rothensee darfste das Maul jar nicht mehr uffmachen! Die ham da so ville Fliejen, dass sojar das tapfere Schneiderlein das Handtuch jeworfen hat.


Wie jesagt: Die einzijen, die was mit dem Fliejeralarm aus Rothensee anfangen können, sind die Wieselflinken ausm Ordnungsamt. Die wissen jetzt, wie man jeordnet im Schwarm infliejen tut ...


Kodderschnauzes Lexikon:

*1) een uffn Deetz kriejen – einen auf den Kopf/Deckel bekommen

*2) jetze ist schicho – jetzt ist Schluß

*3) muss sich ja verlohnen – es muss sich lohnen

*4) Lawwe/Labbe - Gesicht

Der nicht ganz ernst gemeinte Wochenrückblick aus der Ottostadt Magdeburg erscheint (fast) jeden Sonntag im Magdeburger General-Anzeiger. Nachfolgend die aktuellen Veröffentlichungen.